GO WEST – Reise durch Kalifornien und Oregon

Juli/August 2013

Die Reiseroute meiner diesjährigen Amerikareise stand schon länger fest: der Weg sollte durch die Staaten Kalifornien und Oregon führen. Ende Mai stand auch meine Reisepartnerin fest und nun brütete ich jede frei Minute über den Reiseunterlagen – und dann vergeht die Zeit bis zur Abreise immer viel zu schnell. Die Vorfreude war jedenfalls riesengroß!

10. Juli 2013

Abflug nach Frankfurt um 7 Uhr, dort angekommen, schaffen wir es im Eilschritt noch rechtzeitig zum Gate, die Anschlusszeit war wirklich kurz bemessen. Das Boarding ist bereits im Gange und um 9.40 Uhr heben wir mit dem Airbus 380 ab. Der Vogel ist ausgebucht und fliegt mit 526 Passagieren und 19 Flugbegleitern. Die Chefstewardess meinte, es handle sich hier um ein fliegendes Dorf. Zum Lesen bin ich zu müde, also sehe ich mir den ziemlich alten Film „Der Flug des Phönix“ an – sehr passend, er handelt von einem Flugzeugabsturz! Nach 11 Stunden kündigt der Pilot die Landung an und meint, der Blick auf San Francisco beim Anflug wäre einer der schönsten der ganzen Welt - aber leider sitze ich auf der falschen Seite, noch dazu in der Mitte und sehe überhaupt nichts davon. Nach der Landung müssen die „Bewohner“ der fliegenden Stadt erst mal durch die Einreiseformalitäten, dementsprechend spiel es sich in der Halle, wo die Kontrollen stattfinden, ab. Umso kürzer sind aber die Fragen, denen wir uns stellen müssen. Der Shuttle bringt uns zum Hotel, das neben dem Eingangstor zur Chinatown liegt. Wir trinken erst einmal einen Kaffee neben dem Chinagate, spazieren dann durch Chinatown und zum Union Square, bewundern die Cable Cars, sehen uns das Kaufhaus Macy mit seiner Cheesecake factory an und hören den Musikern am Platz zu. Der Union Square ist der „Hauptplatz“ der Stadt, nicht so sehr wegen seiner Größe – die ist eher bescheiden – aber wegen seiner historischen Rolle (San Francisco war auf der Seite der Nordstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg) und seiner Funktion als Verkehrsknotenpunkt. Nur mehr 37 Wagen gibt es von den Cable Cars und die Länge des Streckennetzes beträgt nur etwa 16 km, das Verkehrsmittel steht unter Denkmalschutz. Wir verzichten damit zu fahren, da bei den Stationen lange Warteschlangen stehen. So vergeht die Zeit bis zum Abend.

11. Juli 2013

Um 7 Uhr starten wir dann so richtig in das Abenteuer der nächsten dreieinhalb Wochen. Aber zuerst muss ein Frühstück her, wir machen uns auf die Suche und finden “Lori’s Diner“ in der Sutter Street, in der Nähe des Union Square - ein Lokal im Stil der 50er Jahre eingerichtet, sogar ein alter Straßenkreuzer und eine alte Zapfsäule befinden sich im Lokal. Wir teilen uns French Toast und Scrambled eggs mit hash browns – Willkommen in Amerika! Das erste Frühstück auf der Reise ist immer das Beste. Dann starten wir die Besichtigung von San Francisco. Beim Pier 39 verlassen wir den Bus. Der Pier 39 wurde auf einem verlassenen Landungssteg im Jahr 1978 neu errichtet. Hier ist einiges los, es gibt viele Restaurants, Souvenirläden und Boutiquen, sogar ein nostalgisches Karussel gibt es da. Die Seelöwenkolonie, die sich hier oft aufhält, zeigt sich uns aber leider nicht. Mit der Sonne, die nun endlich kommt, kommen auch immer mehr Touristen. Draußen in der Bay, zweieinhalb Kilometer entfernt, liegt die Gefängnisinsel Alcatraz. Wir werden sie nicht besuchen können, denn die Tickets sind bis in den August ausgebucht. Allerdings halte ich den Besuch in einem ehemaligen Gefängnis ohnehin nicht für so interessant. Wir schlendern am Kai entlang bis zum Fisherman’s Wharf. Unterwegs sehen wir Straßenkünstlern zu, sehen Obdachlose, die mit ihren Hunden auf den Bänken schlafen und entdecken die Möglichkeit zu einer Schiffsrundfahrt durch die San Francisco Bay. Am Pier 45 liegt das U-Boot „US Pampanito“, das 1943 gebaut wurde und im Krieg gegen Japan eingesetzt wurde, weiters die „Jeremiah O’Brien“, die bei der Landung in der Normandie im Einsatz war. Wir trinken Kaffee in einem italienischen Lokal und buchen die Rundfahrt. Sie zeigt uns eine schöne Ansicht der Skyline der Stadt und bringt uns unter die Golden Gate Bridge, die leider teilweise im Nebel liegt, sowie sehr dicht an die Insel Alcatraz. Danach gehen wir wieder zum Fisherman's Wharf – dem bekanntesten Touristenziel in San Francisco, das jährlich von 13 Millionen Touristen besucht wird. Um deren Gunst buhlen unzählige Restaurants und Läden. Wir versuchen die clam chowder (eine Krabbensuppe), die in einer Brotschüssel serviert wird und offenbar eine lokale Spezialität darstellt. Unmengen von Seafood werden hier angeboten. Wir besuchen die berühmte Bäckerei „Boudin“, erstehen zwei Kuchenstücke, entdecken ein „Rain Forest Cafe“, das wirklich einen Besuch wert ist und fahren dann mit dem Hop on/Hop off Bus mit der „Nighttour“, die 90 Minuten dauert und uns einen schönen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt gibt. An Ende frieren wir schon sehr. Wir steigen am Union Square aus und gehen den kurzen Weg zum Hotel.

12. Juli 2013

Wir beschließen, keine Zeit mit einem Frühstück zu verlieren, sondern nur einen Tee im Hotel zu trinken. Wir fahren zum Fisherman’s Wharf und wechseln auf die andere Linie zur Golden Gate Bridge und nach Sausalito. Es ist stürmisch und bewölkt und wir frieren erbärmlich, als wir über die berühmteste Hängebrücke der Welt fahren. Aber es ist doch ein unbeschreibliches Erlebnis, diese Brücke, die man schon in unzähligen Filmen gesehen hat, selbst zu überqueren. Sie ist 2,8 km lang und fast 28 Meter breit. Die Pfeiler ragen 228 Meter in die Höhe und reichen 33 m unter Wasser, die Fahrbahn befindet sich in 67 Meter Höhe. Die Brücke wurde 1937 nach vier Jahren Bauzeit fertiggestellt. Die Farbe der Brücke „International Orange“ ist sogar patentiert, jährlich werden 20.000 l zum Streichen der Brücke verbraucht und wie der Guide erzählt, wenn man mit dem Streichen fertig wird, fängt man am anderen Ende wieder an. Der Reiseführer des Busses gibt uns 20 Minuten Zeit, am Vista Point, auf der anderen Brückenseite Fotos zu machen. Leider liegt die Stadt völlig im Nebel – und die Brücke auch. Dann fahren wir weiter nach Sausalito, dem Nobelviertel der Stadt. Hier scheint die Sonne und es ist angenehm warm. Wir trinken Kaffee (der Beste, den ich je in Amerika getrunken habe!) und essen Kuchen in einem italienischen Cafe. Danach, einigermassen aufgewärmt, schlendern wir über die Hauptstrasse, prunkvolle Villen thronen auf den Hügeln, unglaublich riesige Yachten liegen in der Marina. Um 13 Uhr fahren wir mit dem Bus wieder zurück und unser Guide erzählt von Mark Twain, der meinte, der kälteste Winter den er je erlebt hat, war der Sommer in SFO. Wir können ihm nur rechtgeben, wir haben heute furchtbar gefroren. Aber am Union Square angekommen, scheint die Sonne. Leider ist es spät und wir können nur mehr einen kurzen Rundgang durch den japanischen Garten im Golden Gate Park, machen. Mit dem letzten Bus um ½ 5 fahren wir zurück und kommen bis zum Fisherman Wharf. Bei der Straßenbahn steht eine lange Warteschlange - sehr diszipliniert, schön hintereinander angestellt. Die Bahn aber lässt auf sich warten. Niemand kann uns Auskunft geben, ob und wie wir mit dieser Bahn nach Hause kommen. Nach längerem vergeblichen Warten nehmen wir uns ein Taxi.

13. Juli 2013

Morgens nach einem kleinen Frühstück am Zimmer holen wir das Auto ab, das Büro von Alamo ist überraschenderweise nur 10 Gehminuten entfernt. Wir übernehmen also das Auto, fahren zum Hotel, checken aus - leider ist der Kofferraum nicht sehr groß - und finden mit "Stefans" (=unser Navi) Hilfe bald den Weg aus San Francisco auf den Hwy 101. Bei San Jose fahren wir über den Hwy 17 nach Santa Cruz, durchqueren eine schöne hügelige, bewaldete Landschaft. Dann geht es auf den berühmten Highway 1, der zunächst noch etwas entfernt von der Küste verläuft. Erst kurz vor Monterey öffnet sich dann ein wunderschöner Blick auf die Küste, tiefblaues Meer, weiße Wellen. In Monterey ist die Hölle los - es ist Samstag! Egal, wie oft wir die Straße auf und ab fahren, es gibt keinen Parkplatz, also parken wir im Cannery Road Parkhaus um 15 Dollar. Es ist schon fast 16 Uhr, als wir in das Aquarium gehen. Das Aquarium ist zwar interessant gestaltet, aber keineswegs so großartig, wie es überall angepriesen wird. Als wir das Aquarium betreten, füttert ein Taucher in einem der großen Becken gerade die Haie. Die Quallen sind wunderschön. Zu einem Abstecher zum Meer ist nachher keine Zeit mehr, wir holen das Auto und fahren nach Carmel in unser Hotel - Carmel Mission Inn, eine wunderschöne Anlage mit einem sehr schönen Zimmer! Ich versuche im Auto Ordnung zu schaffen (ein vergebliches Unterfangen, der Kofferraum ist einfach zu klein!) und dann gehen wir im Hotelrestaurant essen: Veggie Sandwich und zwei Bier – und wir bezahlen 56 Dollar. Wir beschließen, ab jetzt müssen wir sparsamer leben.

14. Juli 2013

Es ist bewölkt, wir hoffen sehr, dass die Sonne noch durchkommen wird. Tanken, Supermarkt und dann fahren wir los, 200 km liegen heute vor uns, aber wir werden den ganzen Tag dafür brauchen, denn es warten viele Fotostops und scenic views auf uns. Die Orienterung fällt nicht schwer: Highway No. 1 ! Die schönsten 100 km der kalifornischen Küste fahren wir ab, die Straße ist schmal und windet sich entlang der Berge und bietet immer wieder atemberaubende Blicke auf das Meer. Die Sonne scheint nun, aber immer wieder durchqueren wir auch Nebelfelder. Die amerikanischen Fahrer sind sehr zivilisiert, niemand überholt auf dieser langen, engen Straße. Im Julia Pfeiffer State Park haben wir unsere erste Begegnung mit Redwood-Bäumen, die uns wegen ihrer Höhe sehr beeindrucken. Wir machen eine Wanderung durch den Park, es tut gut, ein wenig zu gehen nach der langen Autofahrt. Man kann kaum die Wipfel der Bäume sehen, so hoch sind sie und auch ihr Umfang ist beeindruckend. Wir machen Picknick unter den Redwoodbäumen. Dann geht es weiter, es gibt noch weitere Fotostops, die Aussicht auf die Küste ist umwerfend! Am Point Piedras Blancas lebt eine See-Elefantenkolonie, die wir gemeinsam mit einigen anderen Touristen bewundern. Die Tiere liegen am Strand und bewerfen sich immer wieder mit Sand. Ein See-Elefant kommt aus dem Meer und drängt sich in eine Gruppe von Tieren. Nach diesem interessanten Stop geht es weiter und die Straße wird nun breiter, wir kommen schneller voran. Gegen 18.30 Uhr erreichen wir Morro Bay, checken im Best Western Hotel ein und machen dann noch einen Spaziergang zum Strand, wo gegenüber des Moro Rock ein Atomkraftwerk steht. Viel ist nicht los in der Stadt.

15. Juli 2013

265 km liegen heute vor uns! Es ist kalt in Morro Bay und bewölkt, kaum lassen wir die Stadt hinter uns, scheint die Sonne und es wird heiß. Der Highway 41 führt uns zunächst durch eine Hügellandschaft mit von der Sonne versengtem Gras, dann öffnen sich weite Ebenen vor uns mit Zitrusplantagen und endlosen Weingärten. Wir machen eine kleine Pause, um Kaffee zu trinken, dann geht es weiter. Bei Lemoore biegen wir auf Hwy 198 ein, über Visalia fahren wir weiter, bis wir an den Lake Kaweah kommen, ein Stausee, der vom Kaweah River gebildet wird, der aus den Bergen der Sierre Nevada kommt. Um 13 Uhr haben wir unser heutiges Ziel schon erreicht: ein kleiner Ort namens Three Rivers. Es ist heiß, 93 Grad Fahrenheit (etwa 34 Grad) und zu früh, um das Zimmer zu beziehen. Also fahren wir in den Sequoia National Park und stoppen zunächst beim Visitor Center, um uns Informationen zu holen. Sequoia NP und Kings Canyon NP grenzen aneinander und werden gemeinsam verwaltet. Sie umfassen etwa 3.500 Quadratkilometer mit einem Höhenunterschied von 3.962 Metern. Die Weißen erschienen hier zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Bis zum Goldfund in der Sierra Nevada 1848 lebten die wenigen Menschen friedlich neben den Ureinwohnern. Mit den einströmenden Goldsuchern kamen jedoch zahlreiche Krankheiten in die Täler, denen die meisten Einheimischen zum Opfer fielen. Die Überlebenden verließen die Region ostwärts, so dass ab 1865 keine Indianer mehr in diesem Gebiet lebten. John Muir, der bekannte Naturschützer jener Zeit war der Hauptinitiator des Sequoia-Nationalpark-Projekts, welches im September 1890 verwirklicht wurde. Wir passieren den Tunnel Rock. Zunächst wollten wir bis zum Giant Forest fahren, als ich aber bemerke, wie eng und kurvenreich die Straßen sind und wie langsam man vorankommt, beschließen wir, heute nur bis zum Hospital Rock zu fahren und dort Picknick zu machen, denn sonst müssten wir den ganzen langen Weg wieder zurückfahren. Und morgen steht der Giant Forest ohnehin auf unserem Programm. Am Hospital Rock gibt es alte indianische Felszeichnungen. Wir lassen uns Zeit und fahren nach 16 Uhr zurück zu unserer heutigen Unterkunft in Three Rivers. Das Haus und die Zimmer sind liebevoll eingerichtet, auf der Treppe sitzen unzählige Teddybären, in unserem Zimmer gibt es zwei Schaukelpferde. Die Hausherrin lädt uns auf ein kaltes Bier ein und so sitzen wir an der Rückeite des Hauses, nahe an einem kleinen künstlich angelegten Wasserfall und genießen die Stille und den weiten Himmel über uns. Irgendwann huscht ein Waschbär an uns vorbei. Ich habe das Gefühl, dass mit dem heutigen Abend unser Urlaub erst so richtig begonnen hat, wir sind in der amerikanischen Wildnis angekommen. San Francisco war interessant und die Pazifikküste atemberaubend, aber die Natur hier ist doch etwas anderes...

16. Juli 2013

Um 8 Uhr gibt es Frühstück im stilvoll eingerichteten Frühstückszimmer und dann geht es weiter. Wir passieren den Eingang zum Sequoia Park und fahren den Generals Highway hoch (der Hwy 198 führt direkt durch den Park). Schließlich nähern wir uns dem Giant Forest. Unbeschreibliche Szenerie - unvorstellbar hohe Bäume, riesige Baumstämme, die eine unglaubliche Ruhe ausstrahlen. Im Giant Forest besuchen wir zunächst das Giant Forst Museum, dann gehen wir den Giant Forest Trail entlang, er ist nur 2 km lang, aber wir brauchen trotzdem eineinhalb Stunden. Immer wieder staunen wir über die immens hohen Bäume, über den Umfang ihrer Stämme. Danach fahren wir mit dem - gratis - Shuttlebus zum Moro Rock, den wir aber nur halb besteigen. Insgesamt sind es nämlich fast 400 Stufen und den tollen Ausblick auf die Berge der Sierra Nevada hat man auch auf halber Höhe. Danach fahren wir weiter zu Crescent Meadows, machen dort einen kurzen Spaziergang und fahren wieder mit dem Bus zum Parkplatz zurück. Bevor wir die Giant Forest Area verlassen, müssen wir noch den größten Baum dieser Erde besuchen, den General Sherman Tree. Dazu lassen wir unser Auto am Parkplatz, wandern den Trail bis zu diesem Giganten. Der Baum ist nicht der höchste Baum dieser Erde - er misst "nur" 84 m - aber derjenige mit dem größten Volumen: 1385 Tonnen, der Stammumfang beträgt 31 Meter, der Durchmesser 11 Meter und der Baum ist 2200 Jahre alt! Schweren Herzens verlassen wir die Giant Forest Area und fahren weiter Richtung Kings Canyon Park, stoppen beim Kings Canyon Overlook. Dann weiter zur Grant Grove Village, wo wir einchecken. Die Tent Cabin, die für uns reserviert ist, hat entgegen unserer Angaben in den Reiseunterlagen, doch elektrisches Licht. Wir müssen alles Essbare und die Toiletteartikel in die Hütte räumen, denn angeblich sind derzeit zwei Bären aktiv in dieser Gegend. Leider ist der Parkplatz etwa 100 Meter entfernt, also schleppen wir alles in die Hütte. Dann fahren wir noch zum General Grant Trail und dort sind wir fast allein. Es herrscht eine schöne Abendstimmung und ein wunderschönes Licht liegt über den Baumriesen. Nur wenige Touristen sind jetzt unterwegs. Auf diesem Trail finden wir einen umgestürzten Mammutbaum, bei dem sich eine Fotografie aus dem Jahr 1900 befindet: dieser Baum stürzte damals um – und sieht heute, 113 Jahre später, fast genauso aus, wie auf dem Foto! Unglaublich – das Holz ist völlig resistent gegen Verwitterungsprozesse, Insekten und Brände. Der General Grant Tree ist umwerfend schön und eindrucksvoll, ja majestätisch – der zweitgrößte Baum der Erde mit einem ungefähren Alter von 1800 Jahren. Er wurde 1926 vom Präsidenten Coolidge zum „Weihnachtsbaum der Nation“ erklärt. Die Mystik dieses Platzes wird durch die Strahlen der späten Abendsonne noch verstärkt. Man kann sich kaum von diesem Anblick trennen. Es wird bald dunkel sein, also müssen wir zurück zu unserer Hütte. Wir genießen unser Abendessen auf der Bank vor der Hütte. Es wird langsam ruhiger im Lager und ein sternenübersäter Nachthimmel wacht über uns. Hier könnte ich es länger aushalten.

17. Juli 2013

Es war kalt heute Nacht, am Morgen messe ich 13 Grad in der Hütte und wir haben beide unter den dünnen Decken gefroren. Deswegen stehen wir schon früh auf: 6.45 Uhr. Die warme Dusche im Gemeinschaftsbad erwärmt unsere Lebensgeister. Einpacken und Auto einräumen wurde schon zur Routine. Bei der Rezeption gibt es einen Stand mit Kaffee, dazu haben wir Semmeln – die schon einige Tage alt sind - und unsere Marmelade. Dann brechen wir auf, uns wurde gesagt, dass es beim Hume Lake eine Tankstelle gäbe. Der Hume Lake liegt 9 Meilen abseits vom Highway 180 im Sequoia National Forest. Am See gibt es ein riesiges Jugendlager mit tollen Freizeit- und Sporteinrichtungen. Fast beneiden wir die jungen Leute, die an einem solchen Ort ihre Ferien verbringen dürfen. Nachdem auch unser Auto wieder neue Nahrung erhielt, fahren wir weiter Richtung Cedar Grove auf der Kings Canyon Road. Die Straße windet sich in extrem engen, steilen Kurven, vom Boden des Canyon hört man das Rauschen des Kings River. Wir sind früh dran und daher ist wenig Verkehr, wir sind allein bei den Overlooks. Wir fahren an der Boyden Cave, einer Tropfsteinhöhle, vorbei und entschließen uns, diese nicht zu besichtigen. Danach wird die Straße besser, d.h. gerader. Von über 1900 Meter Höhe geht es nun hinunter in den Talkessel, entlang des Flusses. Links und rechts ragen die steilen Felswände auf. Wir stoppen bei den Grizzly Falls, essen dort unsere mitgebrachten Kirschen und fahren weiter zu den Roaring Falls, einem sehr hübschen Wasserfall mit einem kreisrunden Wasserbecken. Weiter geht es bis zum Talschluß, dem Parkplatz zu Zumwalt Meadows. Steil herabfallende Felswände und ein rauschender Fluss säumen die Straße. Nun aber müssen wir die ca. 40 Meilen wieder zurückfahren bis zur Grant Grove Village. Dort gibt es in der Nähe einen schönen Picknickplatz, wo wir unser Essen einnehmen. Über Big Stump verlassen wir die beiden traumhaften Nationalparks. 90 km sind es bis Fresno über den Hwy 180, zunächst noch kurvig, schließlich sind wir wieder auf einer geraden Straße unterwegs. Eine willkommene Abwechslung nach den letzten beiden Tagen! Dann weiter über Hwy 41 nach Oakhurst, der Ort macht einen sehr netten Eindruck, jedoch sind die Geschäfte schon geschlossen. Hier haben wir im Best Western Plus unser heutiges Quartier. Ein sehr schönes Hotel, wir haben ein ebenerdiges Zimmer und können fast davor parken, somit ist das Aufräumen des Chaos im Auto angesagt.

18. Juli 2013

14 Meilen sind es bis zum Parkeingang von Yosemite, vorher müssen wir noch tanken. Noch sind nur wenige Autos unterwegs. Nach dem Parkeingang sind es dann nochmals mehr als 20 Meilen bis zum Yosemite Valley, in das man durch einen Tunnel fährt. Nach dem Tunnel tut sich ein grandioser Blick auf, der Ort heisst Tunnel View. Half Dome und El Capitan thronen über dem Tal und das Tal unter uns sieht aus, als wäre es mit einer grünen Decke bedeckt – es sind sehr dicht stehende Bäume. Wir fahren weiter in das Tal hinein, die Autos mehren sich nun. Im Tal herrscht eine Einbahnregelung, es gibt eine südlichen und eine nördlichen Drive. Entlang des südlichen fährt man in das Tal und wir halten an verschiedenen schönen Aussichtspunkten und gehen einen kurzen Weg zu den Bridalveil Falls. Der Wasserfall ist hoch, aber er führt nur wenig Wasser. Eine „swinging bridge“ führt die Wanderer über den Merced River. Schließlich sind wir dann beim zentralen Parkplatz – er ist riesig und voll mit Autos. Werden wir unser Auto wieder finden? Wir wandern – mit unzähligen anderen – zuerst den Trail zum Visitor Center und dann in Richtung Yosemite Falls. Der Wasserfall ist eindrucksvoll wegen seiner Höhe, allerdings führt auch er nicht allzu viel Wasser. Es gab wenig Schnee in diesem Jahr und im April war es schon so heiß wie im Sommer. Hier gibt es wahre Besuchermassen – der Yosemite Park ist der meistbesuchte Nationalpark der USA. Die heutige Hitze hat uns ziemlich müde gemacht. Wir fahren nun auf dem North Drive in Richtung Ausgang, finden einen schönen Picknickplatz, essen und lesen ein wenig. Dann fahren wir erneut über den South Drive zum Curry Village. Wir haben hier eine tent cabin gemietet, 318 andere haben das auch getan, denn so viele fix aufgestellte Zelte gibt es hier. Beim Einchecken steht bereits eine lange Schlange vor uns, wir bekommen die Nr. 730 ganz am Ende des Camps. Beim Einchecken wird man davon informiert, dass man verpflichtet ist, alles Eß- und Trinkbare sowie alle Kosmetika aus dem Auto zu räumen, da die Gefahr, dass ein Bär das Auto zerstört, sehr hoch ist. Der Mann bei der Rezeption hatte Erbarmen und gab uns ein Zelt, das nicht allzu sehr von der Straße entfernt lag. Ich konnte dort zumindest in der Nähe kurz anhalten, um alles auszuräumen und dann hieß es: schleppen! Es ist so heiß und wir sind richtig müde heute, aber was sollen wir tun? Wir hatten erst vor wenigen Tagen unseren Getränkevorrat aufgestockt. Das alles, sogar die Wasserflaschen müssen in den Container neben dem Zelt. Der Abstand zwischen den Zelten ist etwa 30 cm. Wenigstens die Dusche (in der Gemeinschaftseinrichtung) ist belebend nach der Hitze dieses Tages. Unser anschließender Plan, ein kühles Bier zu trinken, scheitert, denn um 20 Uhr sperrt die Cafeteria und bei der noch geöffneteten Pizzeria sind mindestens 30 Leute angestellt. Also geben wir uns mit einem lauwarmen Bier aus der Kühlbox zufrieden (wir hatten auch gestern kein Eis für die Kühlung). Um 22 Uhr ist angeblich Nachtruhe im Lager. Kurz davor gibt es noch Stau beim Zähneputzen. Allerdings treffen auch nach 22 Uhr Leute ein und schleppen lautstark ihr Gepäck zu ihrem Zelt. Es wird nie richtig ruhig in dieser Nacht, ich frage mich: wie könnte da ein Bär ins Auto einbrechen? Angeblich gibt es 100 derartige Zwischenfälle pro Jahr. Um 3 Uhr früh reden und lachen zwei Leute in einem naheliegenden Zelt und packen lautstark Geschirr um. Ein Auto fährt - laut Musik spielend - auf der nahegelegenen Straße. Am Morgen bin ich gerädert und stehe gern um 6:30 Uhr auf. Hier darf man im Zelt nichts essen, also packen wir alles ein und checken aus. Bevor die Massen in der Cafeteria angestellt sind, erstehen wir noch heißes Wasser für einen Tee und einen kleinen Kuchen zum Frühstück. Abgesehen von dieser Erfahrung im Curry Village frage ich mich ernsthaft, warum dieser Nationalpark als der schönste der USA gilt. 4 Millionen Besucher kommen jährlich hierher und der Park bzw. das relativ kleine Yosemite Valley ist längst an den Grenzen angekommen, diese Besucherzahlen zu verkraften. Der Park ist sehr schön, keine Frage - aber ich habe weit eindrucksvollere Nationalparks in den USA gesehen. Vielleicht geht es auch nur um seine leichte Erreichbarkeit von den beiden Großstädten Los Angeles und San Francisco aus.

19. Juli 2013

Unser Programm für den heutigen Tag heisst Tioga Pass, eine Passstraße noch innerhalb des Yosemite Nationalparks, die auf über 3000 Meter führt und wirklich unbeschreiblich schön ist. Für die knapp 100 km lange Straße sollte man mindestens einen halben Tag anberaumen, so liest man es im Reiseführer, und das ist keineswegs übertrieben. Zunächst geht die Fahrt durch Wälder, aber plötzlich beginnen unglaublich abwechslungsreiche Landschaften und der Wechsel zwischen Wiesen, Bergseen und Felsen ist atemberaubend, immer wieder halten wir bei einem der Aussichtspunkte. Besonders eindrucksvoll: Olmsted Point - fast außerirdisch wirkt diese Landschaft mit den hellen Granitfelsen, im Westen sieht man den Half Dome, im Osten den großen und schönen Tenaya Lake. Dieser gilt als einer der schönsten Seen des Yosemite Parks und er sieht fast wie ein Gemälde aus. Die Badegäste verteilen sich rund um das Ufer und stören kaum den Anblick. Weiter geht die Fahrt und wir sehen einen kleinen See auf der linken Seite, zu dem wir wandern. Dort sind wir sogar einmal ganz allein, welche Erholung nach den Menschenmassen im Yosemite Valley! Immer wieder müssen wir stehen bleiben, weil uns die Landschaft überwältigt und ich vergeblich versuchen möchte, sie mit dem Fotoapparat einzufangen. Und dann kommt der Mono Lake in Sicht, die Tioga Road endet und mündet in den Hwy 395. Hier an der Straßenkreuzung machen wir Rast in einem kleinen Gasthaus und trinken Kaffee (Kategorie grauslich) mit Blick zum See. Anschließend besuchen wir das Visitor Center in Lee Vining, wo man uns empfiehlt, die South Tufa Reserve zu besuchen. Der Weg dorthin ist nicht weit, es ist sehr heiß hier - 43 Grad - ein totaler Gegensatz zur Temperatur auf der Passstraße. Wir bezahlen 3 Dollar Eintritt und gehen den Lehrpfad zum Ufer des Sees, wo sich phantastische Tuffgesteingestalten gegen den Himmel strecken. Der Mono Lake ist fast eine Million Jahre alt und damit einer der ältesten Seen der USA. Er hat keinen natürlichen Abfluss, die Wasserzufuhr konzentrierte sich über die Jahrhunderte und so kam der See zu einem Salzgehalt, der zwei- bis dreimal höher ist als der des Pazifischen Ozeans. Der See ist ein Vogelparadies, 80 Vogelarten sollen hier leben - und tatsächlich sind die Ufer und der See von Vogelschwärmen bevölkert. Erschöpft genießen wir anschließend die Klimaanlage in unserem Auto, weiter geht die Fahrt nach Mammoth Lakes, eine Strecke von ca. 30 Meilen über den Hwy 395. Mammoth Lakes ist ein kleiner Ort mit guter touristischer Infrastruktur, an der Ostflanke der Sierra Nevada gelegen und ein beliebtes Wintersportgebiet. Bei der Juniper Lodge angekommen sind wir total überrascht, welcher Luxus tut sich vor uns auf: wir haben eine richtige Wohnung zur Verfügung! Eine komplett eingerichtete Küche mit Herd, Mikrowelle, Geschirrspüler, einem riesigen Kühlschrank, sowie ein Wohn- und Schlafzimmer. Und einen Balkon gibt es auch, wir sind hingerissen: welcher Unterschied zu der vergangenen Nacht!

20. Juli 2013

Es ist wunderbar, zur Abwechslung zwei Nächte am gleichen Ort zu bleiben, das hatten wir seit San Francisco nicht mehr. Nach dem Frühstück suchen wir das Visitor Center, denn ich finde keine Informationen in meinen Unterlagen über unseren derzeitigen Aufenthaltsort. Nach mehrmaligem Fragen finden wir das Visitor Center endlich, dort empfiehlt man uns, das Devils Postpile Monument – eine hohe Basaltklippe - zu besichtigen. Es sind nur 13 km, also machen wir uns auf den Weg. Dort finden wir einen riesigen Parkplatz voll mit Autos und keinen freien Platz. Zum Monument darf man nicht mit eigenem Auto fahren, sondern muss einen Shuttlebus benützen, vor dessen Haltestelle wartet eine lange Schlange. Daraufhin verzichten wir und fahren zum zweiten Ziel, das uns im Visitor Center empfohlen wurde: die Lake Area, mit den Twin Lakes, Mary Lake, Horseshoe Lake und George Lake. Die Seen sind wunderschön, allerdings ist heute hier viel los, denn es ist Samstag und überall finden sich picknickende amerikanische Touristen.

21. Juli 2013

Wir verlassen Mammoth Lakes, wo es uns wirklich sehr gefallen hat, es war der richtige Ort für einen Ruhetag. Nun geht es Richtung Norden, wir kommen wieder am Mono Lake vorbei, dessen Ausdehnung wir von einem hoch gelegenen Aussichtspunkt gut überblicken können. Die Landschaften wechseln schnell. Dann sehen wir die Abzweigung zur Geisterstadt Bodie. Wir beschließen spontan, dorthin zu fahren, es sind nur 13 Meilen. Allerdings ist nach 10 Meilen das Ende der asphaltierten Straße erreicht und es beginnt eine „rough road“, die mehr als nur rauh ist! Unser Schicksal teilen etliche andere Autofahrer, die das gleiche Ziel haben. Stellenweise besteht diese Schotterstraße nur aus Löchern, diese zu umfahren, ist unmöglich und man glaubt nicht, wie lange drei Meilen sein können! In Bodie angekommen, machen wir uns auf den Rundweg zur Besichtigung der Geisterstadt. Es ist sehr heiß hier! Die Stadt ist nach William Bodey gegründet, der hier im Mono County in der Sierra Nevada 1859 Gold gefunden hatte. Noch im selben Jahr starb er bei einem Schneesturm, seine Familie gründete an dieser Stelle die Stadt Bodie und begann 1861 mit dem Goldabbau. 1880 zählte die Stadt 10.000 Einwohner und hatte 65 Saloons! Zu dieser Zeit genoss Bodie einen sehr schlechten Ruf und galt als eine der wildesten und gesetzlosesten Städte des Westens. Überliefert ist das Zitat eines kleinen Mädchens, das mit seinen Eltern nach Bodie ziehen sollte und in sein Tagebuch schrieb: „Goodbye God, I’m going to Bodie!“ Als aber nach wenigen Jahren die Mine keinen Ertrag mehr abwarf, begann der Niedergang der Stadt, immer mehr Leute zogen weg, bis im Jahr 1932 ein Feuer den Großteil der Häuser zerstörte. Im Jahr 1940 lebten nur noch 20 Menschen in Bodie, heute ist es eine Geisterstadt. Es sind noch ungefähr 170 Gebäude vorhanden, u. a. eine Kirche, die Schule, ein Bankgebäude aus Ziegelsteinen, eine Bar, ein Laden und mehrere Wohnhäuser sowie das große Minengebäude. Viele der Einrichtungsgegenstände stehen noch so da, als seien die ehemaligen Bewohner gerade erst gegangen. Die Hitze auf dem Rundgang hat uns zugesetzt und wir sind froh, wieder im gekühlten Auto zu sitzen. Zunächst müssen einmal die drei Meilen Löcherstraße überwunden werden, dann zurück zum Hwy 395 und Richtung Norden. Im Walker Canyon machen wir unser heutiges Picknick. Wir passieren die Grenze zu Nevada und über den US-Hwy 50 geht es dann zum South Lake Tahoe, unserem heutigen Tagesziel, das wir gegen 19 Uhr erreichen. Leider erhalten wir ein straßenseitiges Zimmer, der Highway 50 direkt vor unserem Zimmer ist eine sehr frequentierte Durchzugsstraße. Da tröstet selbst der wunderschöne Blick auf den Lake Tahoe nicht wirklich.

22. Juli 2013

Heute planen wir eine Rundfahrt mit dem Raddampfer auf dem See. Es ist fast 10 Uhr, als wir losfahren, in Zephyr Grove legt der Raddampfer Dixie II um 11 ab. Es wird eine wunderschöne und erholsame, zweistündige Fahrt über den Lake Tahoe zur Emerald Bay, wir umrunden Fannette Island. Wieder zurück an Land fahren wir auf dem Hwy 89 zum Inspiration Point, ein atemberaubender Blick tut sich unter uns auf – die Emerald Bay. Ich kann mich kaum von diesem Anblick trennen. Der stellenweise smaragdfarbene, sonst tiefblaue Lake Tahoe und die kleine Insel vor uns in der Bucht, vorne die Öffnung zum See hin – ein umwerfender Anblick! Der See liegt 1900 Meter hoch, misst fast 500 Quadratkilometer und ist 500 Meter tief, er ist damit das größte alpine Gewässer Nordamerikas. (Seine Wassermassen könnten den gesamten Staat Kalifornien 40 cm hoch überfluten!!) Anschließend wandern wir ein Stück auf dem Bayview Trail, sehen den Cascade Lake vor uns und den Lake Tahoe links. Rechts kommt in einiger Entfernung ein Wasserfall in Sicht. Der Weg dorthin ist aber schwierig, große Steine behindern das Weiterkommen. Nach mehr als einem Kilometer beschließen wir umzukehren. Auf der Fahrt zurück nach South Lake Tahoe entdecken wir ein „Alpine Cafe“ – da müssen wir Kaffee trinken! Wir werden bitter enttäuscht: Kategorie „Sehr grauslich“. Wir fahren zurück in die Stadt, schlendern durch ein paar Geschäfte und beschließen, uns heute ein Abendessen in einem Restaurant zu gönnen.

23. Juli 2013

Heute liegt eine lange Fahrtstrecke vor uns. Wir sind beide nicht sehr gesprächig am Morgen, jeder duscht, packt ein – wir sind schon gut eingespielt. Dann trinken wir noch Tee bzw. Kaffee im Zimmer und fahren ab. Über die US-50 geht es wieder zurück, wir passieren wieder die Landesgrenze zu Nevada, an Carson City vorbei und zweigen danach auf die 341er Richtung Virginia City ab. Die Straße ist als sehr steil beschrieben, das ist sie aber nur an einer Stelle, sonst ist sie gut zu befahren. In Virginia City finden wir dann eine noch verschlafene Westernstadt vor, die meisten Geschäfte sperren erst um 10 Uhr auf. Die reichen Goldfunde von 1859 haben zur Gründung von Virgina City geführt, hier hat der Goldsucher Henry Comestock die größten je entdeckten Silbervorkommen gefunden. Virginia City wurde binnen weniger Tage das Zentrum der Gold- und Silberschürfer und Minengesellschaften. Nur wenige Monate hatte die Stadt 25.000 Einwohner. Vier Banken, ein Opernhaus und 110 Saloons gab es damals in der Stadt. Hier schrieb der unbekannte Samuel Clemens für eine lokale Zeitung, bevor er später als Mark Twain berühmt wurde. Heute leben nur noch knapp 1.000 Menschen in Virginia City, aber die Pracht der alten Gebäude ist noch zu bewundern. Wir schlendern die C-Street hinunter, gehen in die schon geöffneten Geschäfte, kaufen ein paar Kleinigkeiten und landen beim Museum mit sehr interessanten Ausstellungsstücken aus der Zeit des „Wilden Westens“. Dann die andere Straßenseite hinunter, es beginnt zu regnen, allerdings nur ein kurzer Schauer. Während dieser Zeit leisten wir uns einen Kaffee in einer Bar. Dann aber müssen wir weiter, zurück zur US 50 und weiter über Hwy 395. Wir fahren an Reno, dem Spielerparadies vorbei, weiter Richtung Norden. 80 km vor dem Ziel, das uns Stefan angibt, finden wir endlich einen Picknickplatz, wir sind hungrig. Allerdings wird uns das Picknick durch einen Sturm verleidet und wir brechen es vorzeitig ab. Bei Susanville dann auf Hwy 36, immer wieder beginnt es etwas zu regnen. Hinter Chester sehen wir eine Tafel: nächste Tankstelle in 68 Meilen! Ich wende sofort und fahre zurück in die Stadt, um zu tanken. Dann sagt uns Stefan, wir wären am Ziel angekommen – wir befinden uns mitten im Wald! Ich ziehe die Karte zu Rate und stelle fest, dass wir noch ca. 50 km vor uns haben. Wir sind enttäuscht, denn eigentlich reicht uns die Fahrerei heute schon. Der Weg führt aber durch wunderschönes Waldgebiet, entlang des Lake Almanor, wo wir kurz anhalten und einige Fotos machen. Dann weiter bis Mineral, an der Ortstafel werden 123 Einwohner angegeben. Die Lodge, in der wir die nächsten zwei Nächte wohnen werden, entpuppt sich als ein Motel – und es gibt derzeit keinen Strom. Kühlschrank gibt es ohnehin nicht im Zimmer, dafür zwei bequeme Queensbetten. WIFI gibt es auch nicht, ein Restaurant bietet Burger an, der Shop schließt schon um 16 Uhr. Das hatten wir nicht erwartet, unsere Vorräte sind eher bescheiden. Wir machen einen Spaziergang durch den Ort, viele Häuser stehen leer oder sind zum Verkauf angeboten. Es ist ruhig hier, nur ab und zu fährt in dieser Nacht ein Auto vorbei.

24. Juli 2013

Am Morgen lassen wir uns Zeit. Gegen 50 Cent bekommen wir warmes Wasser für Tee und Kaffee und für knapp 3 Dollar auch Eis für die Kühltruhe. Eine einzige Tomate finden wir im Kühlschrank des Geschäfts. Wir frühstücken, packen unsere Kühltruhe und fahren los. Der Eingang zum Lassen Volcanic Park ist nur wenige Meilen entfernt. Der Lassen Peak, einer der größten Vulkankegel der Welt, hat eine Höhe von 3.187 Meter. Zwischen 1914 und 1917 gab es mehrere Vulkanausbrüche, den schlimmsten im Jahr 1915, der zu einer deutlichen Veränderung der Landschaft führte. Dass es im Untergrund noch immer brodelt, sieht man an den heißen Quellen, Schlammvulkanen und Gasdämpfen. Wir fahren die ca. 50 km lange Lassen Peak Road entlang. Der erste Stop nach dem Visitor Center bietet eine umwerfende Sicht in ein weites Tal und ich sehe, wie ein Adler seine riesigen Schwingen ausbreitet und davonfliegt, ich bin so fasziniert, dass ich zu spät auf den Auslöser drücke. Der nächste Stop ist bei Sulphur works, wo ein grauer Schlammpool brodelt. Dann stehen wir am Ufer des wunderschönen, türkisfarbenen Emerald Lake. Kurz nach diesem See führt ein Trail zu Bumpass Hell, der drei Meilen lang ist. Er führt zunächst relativ eben in einer weiten Biegung in den Wald, bietet spektakuläre Ausblicke auf den Lassen Peak, der noch Schneefelder hat. Weite Flächen sind mit den hellgrünen Blättern von blauen Lupinen übersät. Auf dem letzten Stück des Weges geht es steil bergab, auch wenn das sehr anstrengend werden wird beim Rückweg, so lohnt der Weg auf jeden Fall: ein weites Gelände mit färbigen Seen, bunten Felsen und rauchenden Löchern tut sich vor uns auf und erinnert an den Yellowstone Nationalpark. Schwefelgeruch liegt über dem Gelände, durch das ein Holzsteg führt, daher wahrscheinlich der Name „Hell“. Zurück beim Auto geht es weiter zum Helen Lake. Den Kings Trail können wir aus Zeitmangel leider nicht gehen. Wir fahren weiter, unterwegs gibt es natürlich immer wieder Fotostops - auch beim schönen Summit Lake - und so ist es schon spät am Nachmittag, als wir beim Manzarita See und dessen benachbarten Bruder, dem Reflection Lake, ankommen. Dort machen wir um 17 Uhr unser Picknick, jetzt sind wir schon ziemlich hungrig. Blaue Vögel (Diademhäher) lassen sich auch anlocken und kämpfen um die Souvernität rund um unseren Tisch. Die Sonne taucht die traumhafte Gegend in ein mystisches Spätnachmittagslicht. Wir stoppen bei der Tafel "Hat Lake" und wandern ein Stück den Trail entlang, müssen aber dann feststellen, dass irgendwas nicht stimmt. Der Lake sollte kurz nach dem Trailhead sein, aber wir sind schon ziemlich weit gegangen. Also zurück! Der Lake entpuppt sich als fast ausgetrockneter See direkt neben der Straße, den wir vorher glatt übersehen hatten. Dann gibt es nochmals einen Stop bei einem Creek, der in ein warmes, wunderschönes Licht getaucht ist. Um 20 Uhr sind wir zurück bei der Lodge. Wir sitzen vor unserem Zimmer, trinken das nun schon traditionelle Bier beim Ankommen im Hotel, dann folgt noch ein Gläschen Wein - und wir lassen die Erlebnisse des Tages nochmals in unserem Gedanken und Gesprächen Revue passieren.

25. Juli 2013

Um 8 Uhr geht es los, weiter über Hwy 89 bis Red Bluff und dann über die Interstate 5 bis Redding. Dort spazieren wir über die Sundial Bridge, eine Fußgängerbrücke über den Sacramento River mit Glasboden, ein architektonisches Meisterwerk, im Jahr 2004 fertiggestellt. Es ist heiß, 95 Grad Fahrenheit. Wir erfahren, dass es Bauarbeiten auf dem Highway 299 gibt, die eine Stunde Zeitverlust bringen - aber es gibt keine Alternativroute, also kann man leider nichts machen. Es geht nun weiter in Richtung Westen durch den Shasta Trinity National Forest. Die Baustelle ist nicht so schlimm wie befürchtet. Wir fahren durch das Tal des Trinity River, Kurven, Kurven, endlose Kurven, kein gerades Straßenstück. Eine ermüdende Fahrt, ich bleibe bei einer Rest Area stehen, um ein wenig zu verschnaufen. Aber es ist heiß hier: 104 Grad zeigt das Autothermometer, also 40 Grad Celsus. Weiter geht es, schöne Landschaften ziehen vorbei, heute heisst es aber Kilometerfressen. Dann um 17 Uhr sind wir in Eureka beim Best Western Plus. Wir sind nun wieder an der Küste.

26. Juli 2013

Es ist 9.30 Uhr, als wir aufbrechen. Wir fahren nach Norden auf dem Hwy 101 und erste Station ist Trinidad, ein kleines Fischerdorf mit einem Leuchtturm. Leider sieht man vom Meer nichts, es ist total nebelig. So fahren wir weiter in den Redwood Nationalpark und landen beim ersten Visitor Center, hier sehen wir eine Herde Hirsche grasen, bestaunt von einer Herde Touristen. Im Visitor Center empfiehlt man uns den Lady Bird Johnson Trail, den wir dann auch anpeilen. Er ist etwa drei Meilen lang und unbeschreiblich schön: Riesige Redwoods, mannsgroße Farne, Rhododendren so groß wie Obstbäume, ein dichter Urwald und wir können uns nicht sattsehen an dieser Pracht. Der Weg führt fast eben durch den Wald und nur wenige Leute kommen uns entgegen. Stille Einkehr auf einer Bank, irgendwo rauscht ein Bach. Die Indianer nannten die Redwoods einen Platz, an denen die Geister wohnen – und ich kann das gut verstehen. Ich möchte gerne bleiben, aber das geht nicht. Wir kommen am Ende des Trails an und sind hungrig. Also suchen wir einen Picknickplatz, den wir dann auch bald finden. Ein Tisch in der Sonne – es ist ja nicht heiß, sondern angenehm – und wir essen unseren Käse, Tomaten, Gurke, Schinken, Brot, Weintrauben und Kirschen. Gestärkt geht es weiter, ich nehme den Newton B. Drury Scenic Parkway statt des Hwy 101. Beim Visitor Center gibt es eine Menge trails und wir gehen einen hinein in den Wald. Die Sonne steht schon tief und das Licht verzaubert den Wald noch mehr. Ich glaube mich in einen Märchenwald versetzt, von dem man als Kind träumt. Wieder kurze Einkehr an einem wunderschönen Platz. Die Bäume haben von Bränden richtige Höhlen in ihren Stämmen. Ein umgefallener Baum bildet eine Mauer – es ist einfach umbeschreiblich. Oft sind umgefallene Bäume durchgeschnitten, damit man den Weg weiter gehen kann. Wir haben noch ca. 40 km vor uns und so fahren wir um 18 Uhr los. Der Nebel kommt in den Wald, dann wieder Sonne. Eine unbeschreibliche Stimmung beim Klamath River, wir gehen auf den Campingplatz um den Fluß zu fotografieren. Nach 19 Uhr treffen wir beim Hotel in Crescent City ein.

27. Juli.2013

Auschecken und los geht’s, zunächst auf dem Hwy 199 zum Jedediah Smith Redwood State Park. Beim Visitor Center werden wir zum Strout Grove geschickt, einen kurzen und eindrucksvollen Trail. Wir treffen auf einen Ranger, der interessante Erklärungen gibt. Von ihm erfahren wir auch, daß 95 % der Redwoods bereits abgeholzt sind, beginnend zu Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Nur mehr 5 % des ursprünglichen Baumbestands sind übrig, welch ein Verbrechen an diesem großartigen Geschenk der Natur. In diesem Wald gibt es nur Riesenbäume, keine anderen. Wir sehen viele umgefallene Bäume, die einen neuen Lebensraum bieten für Farne und Gräser und auch wieder Sequoias – niemand weiß, ob ein neuer Baum aus dem vermeintlich toten Stamm wuchs oder der Samen von einem anderen aufgegangen ist. Schweren Herzens nehme ich Abschied von den Redwoods, sie sind unglaublich beeindruckend. Die Indianer sagen, dass die Bäume zu den Menschen sprechen, aber die Weißen können sie nicht hören. Nach dem Erleben der Mystik, die diese Bäume ausstrahlen, kann ich das verstehen. Nun aber verlassen wir Kalifornien und überqueren die Grenze zu Oregon. Hier gibt es ein Oregon Welcome Center. Eine nette Dame gibt uns eine Liste von den places of interest an der Oregonküste und markiert uns die besonderen schönen. Harris Beach State Park ist unser erstes Ziel, das sie erwähnte. Der Nebel an der Küste ist verschwunden, es ist sonnig aber windig. Wunderbare Kulisse vor uns. Dann weiter zur Lone Ranch, wo wir unser Picknick einnehmen, es ist schon fast 14 Uhr. Wir sitzen, gut vor dem Wind geschützt, hinter einer Gruppe von Sträuchern. Schließlich dann der Arch Rock, eindrucksvolle Felsen. In Gold Beach trinken wir Kaffee in einem italienischen Cafe. Hinter dem Cafe ist ein Pionierfriedhof, hier gibt es Gräber aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Weiter geht die Fahrt bis Port Orford, die erste Siedlung, die an der Westküste gegründet wurde, hier gibt es den Battle Rock. Im Jahr 1851 wurde vom amerikanischen Kongress ein Gesetz verabschiedet, das es weißen Siedlern erlaubte, sich Land in Oregon anzueignen - ohne dass je ein indianischer Stamm zugestimmt hätte. Als die ersten Siedler hier landeten, gab es einen erbitterten Kampf und die Weißen verschanzten sich auf den "Battle Rock", entkamen dann aber in der Dunkelheit. Im September des gleichen Jahres schließlich wurde hier eine weiße Siedlung gegründet. Coos Bay ist unser heutiges Etappenziel.

28. Juli 2013

Zunächst haben wir ein Problem mit unserem Auto zu lösen, aber da heute Sonntag ist, lässt es sich nicht lösen. Also fahren wir nach Norden entlang der Küste. Unser Ziel ist zunächst das Umpqua Lighthouse, der erste Leuchtturm im Oregon Territorium wurde hier 1859 errichtet. Später kommen wir an einem wunderschönen See vorbei, der fast vollständig mit Seerosen bedeckt ist und können auch die Great Sand Dunes zumindest aus der Entfernung betrachten. Wir fahren noch weiter bis Florence, einer netten Kleinstadt an der Küste, wo wir uns ein Eis genehmigen. Gegen 18 Uhr fahren wir zurück, es sind 75 km bis Coos Bay. Dort finden wir ein Lokal, das "German Food" anbietet, aber auch "Seafood". Der Eigentümer ist Holländer und der Lachs schmeckt sehr gut. Wir waren vormittags auch beim Safeway und so können wir den Tag mit einem Gläschen Rotwein ausklingen lassen.

29. Juli 2013

Um 8 Uhr fahren wir zum Büro von Enterprise und erleben eine Überraschung: unser Auto wird ausgetauscht und es gibt einen SUV Dodge Journey für uns! Wunderbar, wir laden alles um - ein großer Kofferraum, welche Wohltat - und um 9.30 Uhr sind wir "on the road again". Unser heutiges Ziel ist Prospect, ein Ort in der Nähe des Crater Lake National Park. Über den Hwy 42 gelangen wir zur Interstate 5, kurz danach biegen wir bei Roseburg auf den Hwy 138 ein. Die Route führt nun entlang des North Umpqua River durch den Umpqua National Forest und wird schon bald hinter Rosebury zum "Scenic Byway": Rogue-Umpqua Scenic Byway heisst er genau und ist bekannter als "highway of waterfalls" in den südlichen Cascades. Der Fluss wird als einer der schönsten Flüsse Nordamerikas betrachtet und diese Ehre gebührt ihm wirklich. Man kann sich kaum losreissen von dieser smaragdgrünen Farbe des Flusses. Und die Wasserfälle, die wir uns ansehen, sind traumhaft. Hier gibt es bei weitem nicht so viele Touristen wie in Kalifornien. Mehr als 20 Wasserfälle gibt es hier, einige von ihnen können wir besuchen. Es gibt welche, die fast direkt neben der Straße sind, zu anderen muss man ein Stück wandern. Wir sehen den Deadline Falls und den Susan Crek Falls. Der schönste, den wir an diesem Tag gesehen haben, war sicher der Tokotee Falls, zu dem wir allerdings mehr als 200 Stufen überwinden mussten – es hat sich aber ausgezahlt! Schließlich noch der Watson Falls, mit seinen 83 Metern der höchste im südlichen Oregon. Als letzten sehen wir noch den kleineren Whitehorse Falls. Mit den kurzen Wanderungen verfliegt der Nachmittag. Hier könnte man Tage verbringen, um diese traumhafte Natur zu erkunden. Die Sonne ist eben untergegangen, als wir am Diamond Lake eine kurze Pause einlegen. Danach geht es auf einer schnurgeraden Straße durch endlose, dichte Wälder. Je näher wir unserem heutigen Ziel kommen, umso mehr Rauch liegt über der Gegend, es riecht nach Feuer. 20 km vor unserem Ziel fällt uns eine Hinweistafel auf die Rogue River Gorge auf. Da wir nur mehr eine kurze Strecke vor uns haben, entschließen wir uns zu einem letzten Stop und besuchen die Schlucht. Der Stop hat sich wahrhaft gelohnt! Ein kurzer Trail führt durch diese eindrucksvolle Schlucht, durch die das Wasser des Rogue River tost. Die Lichtverhältnisse sind nicht mehr optimal und ich nehme mir vor, morgen nochmals hierher zu kommen. Um 20 Uhr erreichen wir dann Prospect und unsere heutige Unterkunft ist in einem Historic Hotel. Es existiert seit 1888 und war damals ein Stage Coach Inn. Die Zimmer sind liebevoll eingerichtet, die Atmosphäre des Hotels ist einzigartig und wir sitzen, nachdem wir uns einquartiert haben, noch länger auf der überdachten Terrasse.

30. Juli 2013

Wir machen uns auf, um den Crater Lake zu erkunden, halten aber zunächst noch auf Empfehlung der netten Dame an der Rezeption bei der "Natural Bridge". Das war eine gute Empfehlung! Ein sehr beeindruckender kurzer Trail führt entlang dieses Naturphänomens und ist unbeschreiblich schön. Unser Ziel heute: der einzige Nationalpark Oregons, der Crater Lake National Park. Der See ist bis zu 592 Meter tief und somit der tiefste See der USA. Entstanden ist das Gewässer durch einen gewaltigen Vulkanausbruch. Vor 7700 Jahren explodierte an dieser Stelle des Kaskadengebirges ein 3600 Meter hoher Berg, durch die riesige Vulkaneruption stürzte der Berg in sich zusammen und formte den Krater, der sich im Laufe der Zeit mit Schnee und Regenwasser füllte. In einer Eintragung des Gästebuches im Hotel hatten wir Folgendes gelesen: „Es ist schwer, noch irgendetwas für schön zu empfinden, nachdem man den Crater Lake gesehen hat!“ Also waren wir natürlich sehr gespannt – umso größer war dann die Enttäuschung, die uns erwartete: Dichter Rauch liegt über dem See, von seinem wunderbaren Blau sehen wir gar nichts. Drei Waldbrände (durch Blitzschlag) gibt es in der Nähe und diese sind die Ursache des Rauches. Dieser wird wochenlang über dem Crater Lake liegen. Wir lassen uns aber nicht entmutigen und fahren trotzdem den Rim Drive, machen Halt bei der Crater Lake Lodge (sehr beeindruckend) und nehmen die westliche Route. Wir kommen zum Watchman Overlook, direkt gegenüber von Wizard Island. Dann weiter Richtung Osten, halten bei bei Pumice Castle und Phantom Ship Overlook und fahren die Pinaccles Road, wandern zu den sehr schönen Plaikni Falls und fahren dann bis Pinnacles Overlook, wo wir auch ein Stück wandern und die "Pinnacles" bewundern. Die Vidae Falls liegen praktisch an der Straße.

31. Juli 2013

Im Ort gibt es drei Wasserfälle, zumindest einen wollen wir besuchen. Wir tanken beim „General Merchandise“ und parken gleich gegenüber. Der Weg ist kurz, nur 10 Minuten und wir sind ganz allein im Wald. Ein wunderschöner Wasserfall – und ohne Anstrengung zu erreichen. Dann aber geht es Richtung Norden – spätestens jetzt muss uns klar werden, dass wir uns Portland nähern, von wo wir bald heimfliegen werden. Aber noch verdrängen wir diesen Gedanken, die Natur Oregons ist einfach zu überwältigend! Bei Crescent biegen wir vom Highway 97 zum Cascade Lakes Scenic Byway ab, der 66 Meilen lang ist. Lange Zeit fahren wir ganz allein auf dieser Straße. Zunächst passieren wir eine Gegend mit einer fast gespenstischen Atmosphäre. Verkohlte Baumstämme, so weit das Auge reicht, das Ganze vor der Kulisse des Davis Lake. Dann durchfahren wir ein Gebiet mit schwarzen Geröllhalden vulkanischen Ursprungs. Beim Cultus Lake gibt es ein Resort, wo wir Pause machen und Kaffee trinken. Dann begleitet die Straße den Deschutes River, ein wunderschöner Fluss. Es folgen etliche Seen, wo wir immer wieder eine kurze Rast machen. Gewitterwolken ziehen auf, wir nähern uns wieder einem Resort beim Lava Lake und beschließen, das Gewitter hier abzuwarten. Es donnert und schüttet, wir sitzen im Sicheren und genießen einen Imbiss. Bald aber bricht wieder die Sonne durch und wir fahren weiter, entdecken ein wahres Juwel: den Hosmer Lake, der jetzt nach dem Gewitter besonders schön anzusehen ist. Dann fahren wir an einem See vorbei, der smaragdgrün schimmert. Kurz vor Bend finden wir einen wunderschönen Picknickplatz am Deschutes River. Das Vergnügen ist allerdings etwas gedämpft, da es leicht regnet. Gegen 19 Uhr kommen wir in Bend an, wie immer ist uns auch heute die Zeit zu knapp geworden. Ein schöner und eindrucksreicher Tag geht zu Ende. Wir müssen noch in den Supermarkt, um unsere Vorräte aufzustocken und die Wäsche muss auch noch gewaschen werden.

1.8.2013

Es gibt American Breakfast im Hotel. Kurz nach 9 Uhr brechen wir auf und fahren nordwärts nach Sisters, ein nettes Westernstädtchen mit vielen Geschäften. Wir trinken zuerst „Espresso“ und schlendern dann durch das Städtchen, es ist nach 11 Uhr und wir müssen weiter. Die Kulisse der drei "Schwestern" (Berge) ist einzigartig. Unser Ziel ist heute der McKenzie Scenic Byway. Zunächst geht die Fahrt durch Pinienwälder, licht und hellgrün. Plötzlich wandelt sich die Landschaft und wir fahren durch Lavafelder links und rechts der Straße. Die Straße windet sich mit sehr, sehr engen und steilen Kurven den McKenziepass hoch. Auf der Passhöhe gibt es ein Observatorium, von wo man einen guten Rundblick über die schwarzen Geröllhalden hat. Bis jetzt schien die Sonne, aber dann fahren wir durch dichten Nebel, man sieht nur einige Meter weit. Lange fahren wir bergab. Wir erreichen den Trailhead zu den Proxy Falls und gehen den 1,5 Meilen langen Weg. Der Wasserfall ist wunderschön, allerdings führt er nicht sehr viel Wasser. Aber der Weg hat sich gelohnt! Nach endlosen Kurven treffen wir auf die Junction, von der aus es über den Saltiam Pass geht. Nun wird die Straße passabler. Ich hatte gelesen, dass es hier „hot springs“ gibt und dachte mir, das wäre eine gute Gelegenheit, diese einmal kennen zu lernen. Wir stoppen also beim Belknap Springs Resort, ein schöner Ort, aber leider sind zu viele Leute im relativ kleinen Becken der Quellen. Wir beschließen, nach einer kurzen Rast weiterzufahren. Wir gehen den Trail zu den Sahalie Falls entlang des kristallklaren Wassers, dann weiter zu den Kooshah Falls, ein etwas längerer Weg, der sich aber wahrhaft lohnt. Die Kooshah Falls sind die schönsten, die ich je gesehen habe. Noch dazu können wir sie allein geniessen, bis hierher gehen nur wenige Leute. Buchstäblich alles ist hier von hellgrünem Moos überzogen, alle Baumstämme, der Erdboden und sogar die Holzabsicherungen des Trails. Wie in einer Märchenwelt stehen wir fassungslos vor dieser Naturschönheit. Weiter geht die Fahrt zum Clear Lake im Willamette National Forest. Die Regenwolken verstärken die Stimmung über dem See. Am Ufer gibt es ein "Bird Hotel", an dem sich unzählige Diademhäher tummeln. Wir machen Picknick am Fish Lake, der im Sommer ausgetrocknet ist und nur im Winter einen See bildet. Über den Highway 20 geht es dann hinunter in Richtung Bend, bis dorthin sind es noch 80 km. Wir sehen eine Hinweistafel auf den Ursprung des Metolius River, ein Ziel, das uns gestern ein Ehepaar auf dem Parkplatz von Safeway empfohlen hatte. Es dämmert zwar bald, aber das müsste sich noch ausgehen. Auch hier sind wir völlig allein. Der Metolius River enspringt hier direkt aus der Erde. Zehn Meilen vor Bend dann ein schöner Viewpoint auf die Sisters, die Sonne geht gerade unter und taucht alles in ein goldenes Licht. Um 20.30 Uhr sind wir in Bend.

2. August 2013

Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: heute geht es zur letzten Station unserer Reise, das Ziel heißt Portland, die größte Stadt Oregons. Ich hatte mir lange überlegt, welche Route ich wählen sollte, schließlich entschied ich mich für den Highway 97 bis Madras, dann weiter über Highway 26 durch die Warm Springs Indian Reservation, vorbei am Mount Hood, bis Portland. Wir passieren den Crooked River Canyon mit dem Peter Skene Ogden Viwpoint, wo sich drei Generationen von Brücken über die Schlucht spannen. Ein eindrucksvoller Stop! Später führt uns eine Hinweistafel weg vom Highway zum Pelton Damm, wo wir ein tolles Erlebnis haben. Als ich das Auto stoppe und aussteige, höre ich direkt über mir lautes Gekreische. Ich blicke empor und sehe ein Nest auf einem Mast, darüber kreist laut kreischend ein Fischadler. Binnen kurzem gesellt sich ein zweiter dazu, offenbar hatte das Geschrei des Weibchens das Männchen angelockt, nun versuchen beide, das Nest, in dem sich offenbar Junge befinden, zu schützen. Ich ziehe es vor, wieder einzusteigen, um die beiden nicht weiter zu stören. Wir erreichen die Abzweigung zum Mount Hood Scenic Byway, zwei schöne Wasserfälle direkt an der Straße. Allerdings ist es sehr stark bewölkt und Nebel hängt über der Gegend, wir sehen den Mount Hood nicht und so beschließen wir, auf diesen Scenic Byway zu verzichten, denn den im Reiseführer beschriebenen tollen Ausblick haben wir heute sicher nicht. Später noch ein Stop bei Sandy River Crossing, dem Jonsrud Viewpoint, wo die Pioniere auf dem Oregon Trail ihre Wagen über den "Devil's Backbone" abseilten. Und dann erreichen wir Portland, die letzte Station auf unserem Weg.

3. August 2013

Der letzte Tag in Amerika ist angebrochen! Wie ist die Zeit doch verflogen, fast vier Wochen sind vergangen. Heute frühstücken wir im Zimmer mit Tee und Marmeladesemmel. Anschließend fahren wir in die Cascades Outlets in der Nähe des Flughafens, dann geht es in die Columbia River Gorge. Wir fahren über die Interstate 84, die wir bei Troutdale verlasssen, um dann dem Columbia River Gorge Scenic Byway folgen. Die Straße ist zunächst eng und kurvig und erinnert fast an Europa, alles eng und geschlossen, keine weiten Ausblicke. Dann aber kommen wir zum Vista House, wo sich ein grandioser Blick auf das weite Flussbett des Columbia Rivers auftut. Weiter geht es zu mehreren sehr schönen Wasserfällen, zunächst die Latourell Falls, dann die Bridal Veil Falls und schließlich zu den wirklich traumhaften Multnomah Falls. Dieser Wasserfall ist zweistufig und ist 189 Meter hoch. Dort allerdings geht es zu wie bei einem Volksfest, es wimmelt geradezu von Menschen. Anschließend stärken wir uns mit einem Kaffee und fahren weiter. Wir gehen ein Stück in die Oneonta Gorge und auch bei den sehr schönen Horsetail Falls bleiben wir eine Weile. Die Sonne steht schon tief und wirft goldene Strahlen auf den Wasserfall. Ein wunderschöner, erlebnis- und lehrreicher Urlaub geht hier zu Ende. Wir sind beide wehmütig und möchten einfach nur weiterfahren und noch mehr von der großartigen Natur auf diesem Kontinent sehen.

4. August 2013

Um 6.30 Uhr müssen wir aufstehen, wir verladen unser Gepäck und fahren zum Flughafen. Wir geben das Auto zurück, was immer eine ganz formlose Sache ist, und checken für den Flug nach Seattle ein. 5000 km lang war unser Weg von San Francisco bis hierher. Es ist ein kurzer Flug, der uns nach Seattle bringt. Nach zwei Stunden Aufenthalt geht es weiter mit Lufthansa nach Frankfurt. Der Rückflug dauert scheinbar immer viel länger als der Hinflug, obwohl es hier sicher nicht stimmt, er war sogar um eineinhalb Stunden kürzer. Beim Hinflug verkürzt die Vorfreude die Flugdauer. In Frankfurt kommt man immer gerädert an, dann der kurze Flug nach Wien - und am

5. August

treffen wir um 14 Uhr in Wien ein. Die Bewältigung des Jetlags steht uns noch bevor, für heute sind wir einfach nur noch müde. Eine wirklich tolle Reise liegt hinter uns. Und - na ja, vielleicht beginnen wir im nächsten Jahr ja dort, wo wir dieses Jahr aufgehört haben: in Seattle? Die Idee für eine Route hätte ich schon....