DIE GRENZENLOSE FREIHEIT

USA WESTEN Juli 2012

Vier Wochen Urlaub in Amerika liegen vor uns – keine Arbeit und keine Sorgen, wir wollen in die grenzenlose Freiheit und die immensen Dimensionen Amerikas eintauchen. Also, auf ins Abenteuer! Etliche Wochen des Brütens über der Reiseroute liegen schon lange hinter mir. Eine Woche vor unserer Abreise fiel mir dann eine kurze Meldung in der Zeitung auf: Waldbrände bei Colorado Springs! Oje, das ist unser erstes Reiseziel nach Denver! Dort wollten wir uns zwei Tage lang aufhalten, aber angeblich liegt unser Hotel in der sicheren Zone – das war die erste Meldung. Vier Tage vor unserer Abreise hieß es aber dann: es wüten Waldbrände ungeahnten Ausmaßes, Colorado Springs ist nun selbst auch vom Brand betroffen, also kein Ort, um Urlaub zu machen. Also sitze ich wieder über der Karte und gemeinsam treffen wir dann die Entscheidung: Wir bleiben einen Tag länger in Denver und dann werden wir über die US 285 nach Salida fahren, um dort zu übernachten.

3. Juli 2012:

Fast zehn Stunden im Flugzeug ziehen sich dahin, das Bordunterhaltungsprogramm ist nicht sehr ansprechend, endlich tauchen die uns schon vertrauten Spitzen des Flughafengebäudes von Denver International Airport unter uns auf. Die 34 symbolischen „Bergspitzen“ – den Rocky Mountains nachempfunden, können sich bis zu 80 cm im Wind bewegen. Der Flughafen ist der flächenmäßig größte der Welt, es gibt sechs Start- und Landebahnen – eine davon ist fast 5 km lang. Aufgrund der großen Höhe des Flughafens über dem Meeresspiegel sinkt v.a. im Sommer die Luftdichte, die Triebwerke verlieren an Schub und benötigen eine längere Strecke zum Stillstand. Der Transatlantikflug ist überstanden! In der Ferne schimmert die Bergkette der Rocky Mountains im Nachmittagslicht.

4. Juli 2012:

Der Jetlag weckt uns schon um 3 Uhr morgens. Heute ist amerikanischer Nationalfeiertag und ich hatte mich zuvor im Internet schlau gemacht, wo wir diesen verbringen können: Four Mile Historic Park am Ufer des Cherry Creek heißt unser heutiges Ziel – aber wo ist der und wie kommen wir dorthin? Die Lösung heißt Hotel-Shuttle. Der Park öffnet erst um 10 Uhr, wir sind dank unserer nächtlichen Schlaflosigkeit viel zu früh da, es ist übrigens bereits sehr heiß. Hier wird der Nationalfeiertag in historischer Weise mit alten Kostümen gefeiert. Frauen in weiten Röcken und Sonnenschirmen nähen an Quilt-Decken, manche tragen Kleidung aus Fahnenstoff mit den amerikanischen „stripes and stars“. Es gibt eine historische Kutsche, mit der auch wir eine Rundfahrt machen, einen Cowboy, der erklärt, was die Cowboys trugen und warum. Die frühere US-Armee ist auch vertreten mit ihren Uniformen und Zelten. Zwei Musikbands sorgen für Unterhaltung. Gegen 14 Uhr sind wir müde, es ist sehr heiß und unsere innere Uhr tickt noch anders. Wir wollen zum Hotel zurück, uns zwei Stunden ausrasten und dann später in die Innenstadt fahren. Im Zimmer ist es angenehm kühl und binnen kurzem sind wir eingeschlafen. Statt nach zwei Stunden wieder aufzustehen, schlafen wir bis drei Uhr morgens. Das Feuerwerk in Downtown, das wir sehen wollten, ist wohl schon längst vorbei.

5. Juli 2012:

Nun sollten wir unser Leihauto vom Flughafen abholen. Das entpuppt sich aber als längeres Unterfangen, denn wir machen die Entdeckung, wer in den USA kein Auto hat, der ist verloren. Endlich am Flughafen angekommen, erhalten wir die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Autos, unsere Wahl fällt auf einen weinroten Kia Sorrento– noch wussten wir nicht, welchen Benzinfresser wir da adoptiert hatten. Es ist schon 14 Uhr, als wir vom Flughafen abfahren. Nun auf nach Downtown, dort finden wir eine Parkgarage und fahren mit dem Gratis-Shuttle in die 16th Street Mall, die bekannteste Einkaufsstraße in Denver – eine Fußgängerzone, ca. 1 Meile lang. Wir essen – hervorragend und günstig – in einem mongolischen Restaurant, ein verspätetes Mittag- und verfrühtes Abendessen in einem. Denver wird auch die „mile high city“ genannt, weil sie 1609 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Am Ende der 16th Street Mall liegt das Colorado State Capitol, Denver ist ja die Hauptstadt des Bundesstaates Colorado. Das Gebäude sieht ähnlich aus wie das Capitol in Washington. Die Kuppel ist hier jedoch aus 24-Karat-Vergoldung – in Erinnerung an die reichen Goldfunde im späten 19. Jahrhundert. Die Stadt war ursprünglich eine Goldgräbermetropole, als am Zusammenfluss von South Platte River und Cherry Creek Gold entdeckt wurde, strömten immer mehr Menschen hierher, die Stadtgründung erfolgte im Jahr 1861. Heute wohnen hier – Stadt und Vororte – mehr als 2 Millionen Menschen. Die 15. Stufe an der westlichen Seite des Regierungsgebäudes liegt haargenau eine Meile über dem Meeresspiegel. Es ist knapp vor 17 Uhr und so können wir noch einen kurzen Blick in das Innere des Capitols werfen. Wir schlendern über die 16th Street Mall zurück, vorbei am Daniels & Fisher Tower, der 1910 nach dem Vorbild des Campanile am Markusplatz in Venedig erbaut wurde. Damals war dieser Turm das höchste Gebäude westlich des Mississippi. Wir kehren im Hard Rock Cafe auf ein Bier ein und fahren zurück zum Hotel.

6. Juli 2012:

Den heutigen Tag verbringen wir mit der angenehmen Tätigkeit des Einkaufens, wir statten verschiedenen Einkaufszentren unseren Besuch ab.

7. Juli 2012:

Nach einer ruhigen Eingewöhnungsphase beginnt heute erst so richtig der Urlaub, wir verlassen Denver. Über die US 285 geht es direkt auf die Rocky Mountains zu. Nach ca. 25 km sehen wir eine Hinweistafel auf das Red Rocks Theater, also fahren wir vom Highway ab, zunächst am Restaurant „The Fort“ vorbei. Das Gebäude ist ein genauer Nachbau des Bent’s Forts, der ersten amerikanischen Siedlung westlich des Mississippi und der ehemalige Rendezvousplatz von Kit Carson und anderer „Mountain Men“. Wenige Kilometer weiter stehen wir auf dem Parkplatz des Red Rocks Theatre, der Platz für die Autos von 10.000 Besucher bietet. 1937 wurde mit der Arbeit an dem Theater begonnen, seit 1947 finden Konzerte in dem offenen Amphittheater statt, das zwischen zwei ungefähr 100 Meer hohen Sandsteinfelsen eingebettet liegt. Die Atmosphäre ist beeindruckend - und wir bereuen es, dass wir hier kein Konzert hören können. In der Ferne zeichnet sich die Skyline von Denver ab. Tagsüber wird das Theater offenbar für sportliche Aktivitäten benützt, die Leute joggen oder springen durch/über die Reihen. Man kommt bald außer Atem, wenn man die vielen Stufen emporsteigt und merkt so die ca. 2000 Meter über dem Meeresspiegel. Die Fahrt geht weiter auf dem Hwy 285 und ein grandioses Panorama tut sich vor uns auf. Wir überqueren den Kenosha-Pass (3048 Meter), dann folgt eine endlose Hochebene, weiter über den fast ebenso hohen Red Hill Pass, wir fahren durch Fairplay und dann über den Trout Creek Pass nach Buena Vista. Leider sind hier aber die Berge wolkenverhangen, wir sehen nicht viel von der „schönen Aussicht“, die der Name des Ortes verspricht. Nahe der Straße finden wir eine Picknickbank und nehmen unser spätes Mittagessen ein. Später dann, am Ufer des Arkansas River (einer der längsten Flüsse der USA) wandern wir ein wenig, stellen aber bald fest, wie anstrengend das ist in dieser Höhe. Schließlich geht die Fahrt weiter und über die Straße 291 kommen wir nach Salida. Es gibt hier einen historischen Stadtkern mit Häusern aus dem 19. Jahrhundert. Wir finden eine „beer tavern“, das Bier ist gut, aber ich komme unfreiwillig zu einem Burger, da mir der Kellner ein ganz anderes Essen bringt, als ich bestellt hatte. Nun ja, der Burger in jedweder Form gehört eben zu Amerika.

8. Juli 2012 :

Am Morgen beschließen wir, unsere Reise nach Westen nicht sofort fortzusetzen, sondern zuerst nach Osten zu fahren, zur 80 km entfernten Royal Gorge – damit wir nicht alles versäumen, was wir ursprünglich für unsere Route eingeplant hatten und wegen der Waldbrände versäumten. Wir fahren entlang des Arkansas River ostwärts, dieser ist ein 2.348 km langer Nebenfluss des Mississippi, der nahe der Stadt Leadville im zentralen Colorado entspringt. Das Flusstal liegt auf fast 2400 m Seehöhe. Wir sehen unzählige Wildwasserfahrer in ihren Schlauchbooten auf diesem Weg. Der Arkansas River wird auf seinem Weg von den Rocky Mountains aufgrund seines großen Gefälles zu einem reißenden Fluss, der viele Schluchten passiert. Eine dieser Schluchten ist die Royal Gorge, westlich von Canon City, sie wird von einer 321 Meter langen Brücke, eine der höchsten Hängebrücken der Welt, überspannt. Allein die Fahrt dorthin ist schon lohnenswert, man fährt durch eine wildromantische Strecke. Die Royal Gorge Bridge wurde 1929 als einspurige Mautbrücke erbaut, heute ist sie Touristenattraktion, aber nicht mehr an den Verkehr angebunden. Wir fahren mit einer Seilbahn über die Schlucht (eindrucksvoll!), gehen auf der anderen Seite durch eine Westernstadt. Dort sitzen wir probeweise im Jail, versuchen uns im Goldwaschen und sehen einer Schiesserei zu, die in der Westernstadt imitiert wird. Dann überqueren wir die Schlucht auf der Brücke und bestaunen den Fluss tief unter uns. Es gibt viele amerikanische Touristen hier. Am Schluss fahren wir noch mit einer Schrägbahn zum Grund der Schlucht hinunter, wo wir die Wildwasserfahrer aus nächster Nähe bestaunen können und die Brücke von unten sehen können. Es ist 14.30 Uhr, als wir von hier Richtung Westen aufbrechen. Der Umweg hat sich gelohnt! Unser Ziel heißt heute Montrose. Also zunächst zurück über die US 50 nach Salida, dann weiter nach Poncha Springs. Hier verlässt die Straße das Tal des Arkansas River. Eine großartige Strecke beginnt hier: im Süden die wilden Bergketten der San Juans und der Sangre de Cristos, nach Norden hin die Sawatch Mountains mit ihren Viertausendern. Leider ist es sehr bewölkt und es beginnt immer wieder zu regnen, so dass wir von diesem Panorama nicht sehr viel sehen. Wir überqueren den 3448 m hohen Monarch Pass mit der kontinentalen Wasserscheide. Wir verzichten darauf, mit der Seilbahn auf 3700 m zu fahren, denn man sieht ohnehin – fast – nichts. Also weiter! Wir erreichen die kleine Stadt Gunnison im Tal des Gunnsion River und fahren durch die Curecanti National Recreation Area und beobachten Fischer am 30 km langen Blue Mesa Lake. Den ganzen Nachmittag über hatte es immer wieder etwas geregnet, als wir uns aber Montrose nähern, klart es auf und wir können ein paar phantastische Fotos im späten Abendlicht machen. 10 km vor Montrose finden wir einen Picknickplatz, wo wir uns aus der Kühlbox bedienen. Ein weites, flaches Tal mit vereinzelten Farmen liegt vor uns. Es ist schon dunkel, als wir die Stadt erreichen. In Montrose übernachten wir im Best Western Hotel im einstöckigen Apartmenthaus, die Zimmer sind wie so oft in Amerika äußerst großzügig angelegt.

9. Juli 2012:

Das Highlight des Tages ist heute der Black Canyon of the Gunnison, wir müssen ungefähr 12 km auf der US 50 zurück fahren. Im Reiseführer wird der Naturpark als einer der schönsten und am wenigsten überlaufenen Parks der USA bezeichnet. Und tatsächlich finden sich hier nur wenige – wieder ausschließlich – amerikanische Touristen. Vor dem Visitor Center spaziert ein Reh am Waldesrand entlang und wir können Geier und Adler über uns bewundern. Die Schlucht ist über 800 tief – oben reißt sie bis zu 340 Meter auf, unten misst sie stellenweise gerade einmal 12 Meter. Dieses Gebiet wurde 1873 erstmals von Weißen entdeckt. Die Straße am Südrand ist 13 km lang und in kurzen Abständen reiht sich ein Aussichtspunkt an den anderen. Zum Boden der Schlucht dringen die Sonnenstrahlen nur wenige Stunden am Tag und im Schatten wirken die Felswände schwarz – daher der Name. Wir fahren die Straße entlang und stoppen bei den Aussichtspunkten. Trotz der Tiefe der Schlucht hört man den Fluss rauschen. Vom Gunnison Point zum Pulpit Rock Overlook, dann Cross Fissures View, Devils Lookout, Chasm View, Painted Wall View (besonders eindrucksvoll) Cedar und Dragon Point bis zum High Point, dem Ende der Straße. Wir fahren weiter, es ist 14 Uhr und es liegen noch 400 km vor uns, zunächst zurück nach Montrose. Dann geht es nach Grand Junction und dann über die I-70 weiter. Die Autobahn führt schnurgerade dahin, die Landschaft ist flach und eintönig und ich kämpfe beim Fahren gegen die Müdigkeit, B. ist auch müde, also kämpfe ich weiter. Um 19.30 Uhr nähern wir uns Moab, die Felsen links und rechts der Straße glühen im leuchtenden Ocker und im Abendlicht. Ein eindrucksvolles Panorama! Moab hat nur ungefähr 5000 Einwohner und ist trotzdem die größte Stadt im Südosten Utahs. Die Stadt liegt auf 1227 m Seehöhe auf dem Colorado Plateau und wurde von Mormonen gegründet. Später wurde hier Uran abgebaut, dann beherbergte Moab die Filmindustrie – und jetzt die Touristen. Wir checken im Hotel ein, schlendern dann die Hauptstraße entlang und essen schließlich in einem mexikanischen Restaurant. Die Außentemperatur ist beachtlich um diese Tageszeit.

10. Juli 2012:

Zu spät erfolgt unser Aufbruch, heute werden 40 Grad erwartet. Der Eingang zum Arches Nationalpark liegt direkt vor den Toren der Stadt. Über einige Serpentinen windet sich die Straße hinauf. Der erste Aussichtspunkt heißt Park Avenue Viewpoint und hier gibt es Touristenmassen! Allerdings aber auch eine wahrhaft eindrucksvolle Kulisse. Wir fahren die Straße entlang weiter zum Courthouse Towers Viewpoint, Petrified Dunes Viewpoint, Balanced Rock, Fiery Furnace Viewpoint. Wandern zum Sand Dune Arch (aber nicht bis zum Broken Arch, den wir nur aus der Ferne bewundern – es ist 12.30 Uhr und die Sonne brennt unbarmherzig auf die Felsen). Beim Devils Garden wandern wir nur eine kleine Strecke und drehen dann um. Eine unglaubliche Vielfalt von Felsen, die die Phantasie anregen, verschiedenste Figuren und Gestalten sind zu sehen. Die – kleinen – Wanderungen bei den Aussichtspunkten summieren sich ganz schön in der Hitze und um 14 Uhr sind wir schon ziemlich geschafft. Wir fahren zurück nach Moab, kaufen ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt, essen auf dem Zimmer und rasten uns etwas aus. Nach 17 Uhr fahren wir dann nochmals in den Park, die Windows Section mit North and South Window and Turret Arch sowie Double Arch stehen auf dem Programm. Ich hatte auf ein tolles Fotolicht gehofft, leider macht ein entferntes Gewitter einen Strich durch die Rechnung, es ist bewölkt, von der Sonne ist nichts zu sehen. Schließlich fahren wir noch zum Upper Delicate Arch Viewpoint und machen eine Wanderung in die Nähe des Delicate Arch. Spät, aber doch, kommt die Sonne hervor und taucht die Landschaft in ein wunderbares, mystisches Licht. Nach Sonnenuntergang verlassen wir den Park und essen im Eddi Mc Stiffs Restaurant in Moab.

11. Juli 2012 :

Wir stehen spät auf und so ist es schon nach 10 Uhr, als wir vom Hotel abfahren. Zum Canyonlands Nationalpark sind es ca. 30 Meilen über die UT 313, aber die Gegend bis dorthin ist bereits sehr eindrucksvoll. Der Park ist ein geologisches Wunderland, der seine bizarre Gestalt dem Green River und dem Colorado River verdankt: tief eingeschnittene Canyons prägen die Landschaft. Beide Flüsse haben sich mehrere hundert Meter tief in das Land eingefressen und ein atemberaubendes Schluchtenlabyrinth geschaffen. Die Flüsse haben den Park in drei Sektionen unterteilt: den nördlichen Teil Island in the Sky (Meereshöhe 1900 Meter) den südlichen Needles District und den schwer zugänglichen Maze District. Aus Zeitmangel müssen wir uns mit dem „normalen“ Touristenprogramm begnügen - und das ist Island in the Sky. Hier liegt der tief eingeschnittene Canyon des Colorado l.700 Meter unter der Hochfläche der Island in the Sky. 10 Dollar beträgt die Eintrittsgebühr, eine Asphaltstraße führt durch diesen Teil des Nationalparks mit verschiedenen „Overlooks“. 
 Unser erster Stopp nach dem Visitor Center ist der Shafer Canyon Overlook, eine wahrhaft eindrucksvolle Szenerie. Tief unten sieht man Autos auf der Shafer Trail Road, die zur 160 km langen White Rim Road führt. Nach 10 km kommen wir zum Trailhead zum Mesa Arch, ein Naturbogen, der über einen 800m langen Rundweg zu erwandern ist. Ein toller Bogen, der sich wie eine Schlange an den Berg krallt. Die Wanderung dorthin ist schon recht schön, allerdings ist es sehr heiß hier in der Mittagshitze. Aber wir haben ja Wasservorrat mit. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass am „Upheaval Dome“ nichts zu sehen ist, also fahren wir an der Abzweigung vorbei zum Green River Overlook, sicher der schönste Ausblick im Park. Er bietet eine herrliche Aussicht auf den gewundenen Green River und die Canyonlandschaft. Die Fahrt geht weiter zum Grand View Point Overlook, ebenfalls ein äußerst spektakulärer Aussichtspunkt im Park. Großartige Landschaft liegt uns hier zu Füßen. Wir blicken auf das zerklüftete Monument Basin, den von Canyons zerfurchten White Rim, die beiden mächtigen Flüsse und im Süden in der Ferne ist der Maze District zu erkennen. Alles unterhalb der weißen Linie des White Rim ist älter als 245 Millionen Jahre, darüber „nur“ 210 Millionen Jahre. Wir fahren zurück und stoppen beim Orange Cliffs Overlook, wo es einen schönen Picknickplatz gibt. Jede Bank ist überdacht und hat einen eigenen Parkplatz. Wir genießen unseren Imbiss, v.a. aber die phantastische Aussicht. Kurz nach der Ausfahrt aus dem Park biegen wir rechts ab zum Dead Horsepoint State Park, hier beträgt die Eintrittsgebühr ebenfalls 10 Dollar. Der Weg zum Dead Horse Point Overlook ist kurz, aber die Aussicht überwältigend! Der Colorado macht hier eine Schleife, die grüne Farbe des Flusses im Kontrast zu den verschiedenen Brauntönen des Gesteins – umwerfend! Nach ausgiebigem Staunen machen wir uns auf den Rückweg nach Moab. Dort waschen wir Wäsche und gehen zwischendurch in den Swimming-Pool, der allerdings kaum Abkühlung bietet. Um 19.15 Uhr müssen wir beim Veranstalter „Canyonlands by day and night“ sein, dieser liegt an der Ortseinfahrt. Wir haben ein Dinner und eine Bootsfahrt mit „light and sound“ gebucht. Das Essen ist überraschenderweise sehr gut und ausgiebig, ein richtiges Cowboybuffet. Danach fahren wir mit einem Boot ein kleines Stück am Colorado-River, wo nach Sonnenuntergang die Felsen durch einen LKW mit einer darauf installierten Anlage beleuchtet werden. Dazu erzählt der Reiseführer über die Geschichte Colorados. Insgesamt sind wir von dieser Vorführung ein wenig enttäuscht, hätten eigentlich erwartet, dass die Flussfahrt länger dauert, aber wir drehen kurz nach der Brücke eigentlich nur im Kreis.

12. Juli 2012:

Um 6 Uhr läutet der Wecker, B. hat einen Ausritt gebucht im Castle Valley, das ist ca. 25 km entfernt. Der Weg dahin führt entlang des Colorado-Flusses. Mir ist es heute viel zu heiß für einen Ausritt, stattdessen suche ich mir Fotomotive entlang des Colorado Rivers. Als ich B. um 11.30 Uhr bei der Lodge abhole, finde ich ihn zwar beeindruckt von der Landschaft vor, aber völlig erschöpft – es ist sehr heiß, über 40 Grad. Er schläft im Auto sofort ein. Die Landschaft, die wir durchqueren ist großartig (HW 128, eine „scenic road“) Die Fisher Towers müssen wir links liegen lassen – schließlich haben wir noch 340 km vor uns. Bei Cisco kommen wir wieder an die I-70. Ich hatte das Dinosaur National Monument als heutiges Highlight eingeplant, die Abzweigung ist beim Ort Dinosaur. Leider beging ich den Fehler, nicht beim Visitor Center zu stoppen, das sich bei der Abzweigung von der Straße befindet, um mir dort Informationen zu holen. So fahren wir auf einer menschenleeren Straße dahin und es ist schon fast 18 Uhr Uhr, der Tank ist zwar voll, aber der Navigator kennt die Straße nicht. Wir kommen zu einem Overlook (es muss wohl Escalante Overlook gewesen sein) und als wir davon abfahren, haben wir die Orientierung verloren, wir biegen falsch ab. Wir merken das, fahren zurück – und irgendwann will ich einfach nur mehr weg von hier. Aber welche ist die richtige Straße? Die Karte hilft auch nicht weiter. Plötzlich erinnere ich mich, auf der Herfahrt Meilensteine gesehen zu haben, der letzte war Meile 14. Als ich im Rückspiegel Meile 13 sehe, weiß ich, dass wir richtig sind. Als ich wieder auf Hwy 40 bin, atme ich auf. Nach Vernal, unserem heutigen Etappenziel, ist es nun nicht mehr weit. Unser Hotelzimmer ist ein Apartment, von der Straße aus begehbar. Wir fahren noch kurz durch die Stadt, es gibt einen Markt, wo die Leute selbstgemachte Produkte ausstellen. Später sitzen wir vor dem Apartment, trinken Bier und essen Chips und Keks.

13. Juli 2012:

Wir fahren zum Utah Field House of Natural History, ansprechend und interessant gestaltet. In dieser Gegend gab es ungezählte Funde von Dinosaurierskeletten. Im Garten stehen einige lebensgroße Dinosaurierfiguren. Unser heutiges Etappenziel heißt Rock Springs, über Hwy 191 geht es Richtung Norden bis zur Flaming Gorge National Recreation Area. Wir müssen eine Entscheidung treffen: über den spektakulären Hwy 44 über Manila oder über die kürzere 191er? Wir entscheiden uns zunächst für die Erstere und machen Halt bei der Red Canyon Lodge, trinken Kaffee und beobachten die Kolibris, die sich an einer Vogeltränke tummeln. Vor uns liegt ein See, über uns zieht ein Greifvogel hinweg – hier würde man gerne bleiben, wie an so vielen Orten auf unserer Reise. Bald gelangen wir zum Red Canyon Overlook, ein wahrhaft fantastischer Ausblick! Tief unter uns liegt ein flussähnlicher Ausläufer des Stausees, das Wasser schimmert im späten Tageslicht, ein Boot zeichnet Federlinien auf die Oberfläche. Über uns kreist ein Adler. Rundherum ein farbenfrohes Panorama – und nur wenig Menschen. Es fällt schwer, sich von diesem Anblick zu trennen und wir machen viele Fotos, weil wir von der Schönheit überwältigt sind. Nun aber stehen wir vor einem Dilemma: die Strecke über Straße 44 ist nicht nur länger, sondern auch kurvenreicher und es ist spät. Also entschließen wir uns schweren Herzens für die vernünftigere Variante. über den Hwy 191 nach Norden zu fahren. Wir passieren den Flaming Gorge Damm, der an der Grenze zwischen Utah und Wyoming liegt, der Damm staut den Green River zu einem 91 Meilen langen Reservoir auf. Der Stausee ist in der Region eine wichtige Wasserquelle und wird zur Energiegewinnung eingesetzt. Der Bau des 1963 fertig gestellten Staudamms war umstritten. Unglaubliche abwechslungsreiche weite Landschaften durchqueren wir, alles menschenleer und wenige Autos, umwerfend schön. Dann treffen wir in Rock Springs ein und essen in einem mexikanischen Grillimbiss Tacos.

14. Juli 2012:

Wir fahren zur Wild Horses Viewing Area, wo man unzählige Mustangs hält, die eingefangen wurden und nun zur Adoption freigegeben wurden. Wer immer die Möglichkeit hat, vom Platz und den Finanzen her, bekommt Pferde so viel er will. Angeblich gibt es zu viele Mustangs und die verbleibenden offenen Weideflächen sind nicht mehr ausreichend für ihre Ernährung. Es sind Pferde in allen Farben, viele Fohlen. Wir sitzen lange, beobachten die Pferde und fotografieren. Weiter geht es Richtung Norden, Pinedale heißt unser heutiges Ziel, irgendwo sollten wir vor Erreichen der Stadt noch ein Picknick machen. Kurz vor Pinedale sehe ich dann eine Abzweigung zum Fremont Lake, nur 2 Meilen entfernt. Dort wollen wir das Picknick machen, wir setzen uns auf die Felsen am Seeufer und benützen die Kühlbox als Tisch. Kurz nachdem wir ausgepackt hatten, entleert sich der Himmel über uns, ein gewaltiges Gewitter bricht los. Also packen wir rasch alles ein, essen im Auto noch fertig und fahren nach Pinedale, wo wir um 15.30 Uhr eintreffen. Ein Cowboystore auf der Hauptstraße zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich, zuerst aber checken wir im Hotel ein. Auf der Straße gibt es viele Verkaufsstände, die wir anschließend besichtigen. Die Quilts sind wunderschön. Wir trinken Bier in einer richtigen Cowboybar, eine Musikgruppe probt für die spätere Aufführung. Heute Abend soll es beim Museum of the Mountain Men ein Campfire geben mit Live-Music. Leider steht eine Gewitterbank über Pinedale und so wird die Veranstaltung abgesagt. Zurück zum Hotel, Wäschewaschen, Mails und Abendessen mit Chips und Wein und ein wenig aus der Kühlbox.

15. Juli 2012:

Am Morgen schlendern wir durch die Geschäfte und fahren dann zum Museum of the Mountain Men. Hier sind Tipis aufgebaut und einige Leute, u.a. ein Anthropologe aus Utah, erklären, wie die Männer der Berge lebten. Alles an ihnen war funktionell, nicht schön, dementsprechend auch schmutzig. Ein hartes Leben war das und wenn man das Alter von 30 Jahren erreichte, galt man schon als alt. Häufige Todesursache waren Zahnabszesse. Um 13 Uhr beginnt dann das „Rendezvous“ in der Rodeo-Arena, eine tolle Aufführung! Das Green River Rendezvous war ein jährliches Treffen in den Dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Trapper, Indianer und Händler trafen sich in einem Tal „below the Green River“ und tauschten Waren aus – Felle, Häute, Gewehre, Schmuck usw. Alle kannten den Ort wo der Horse Creek in den Green River im Upper Green River Valley mündet und das Rendezvous dauerte zwischen einigen Tagen oder mehreren Monaten. „Meet me on the Green!“ war eine Grußformel in dieser Gegend. Seit 1936 wird das Green River Rendezvous am zweiten Wochenende im Juli aufgeführt, es erzählt die Geschichte dieser Gegend und hält sie dadurch lebendig. In verschiedenen Szenen wird die Geschichte der Besiedelung nacherzählt, die Begegnungen zwischen Indianer und Weißen, die Missionierung, die Arbeit der American Fur Company and Rocky Mountain Fur Company. Ein Tipilager ist aufgebaut und ein Heer von Darstellern sorgt für eindrucksvolle Darbietungen, v.a. die Reitvorführungen begeistern uns. Es ist 15.30 Uhr, also Zeit zum Aufbruch! Noch ein kurzer Einkauf im Supermarkt und dann geht’s wieder weiter. Bald ändert sich die Landschaft, die majestätische Bergkette der Tetons kommt in den Blick. Wir fahren entlang des Habock Rivers. An einem Picknickplatz essen wir die Orangen vom Frühstück, tanken unterwegs und erreichen schließlich Jackson – wo wir ja schon im Vorjahr waren. Es ist 18 Uhr, also zu spät, um hier länger zu verweilen, aber ein Drink in der Cowboybar ist doch ein Muss. Hier sitzt man auf richtigen Sätteln an der Bar. Wir kennen die genaue Adresse unseres heutigen Zieles nicht, besser gesagt, der Navigator kennt die Adresse unserer Lodge nicht, also wissen wir nicht, wie lange noch zu fahren ist. Wir verlassen Jackson um 19 Uhr, und fahren weiter bis Moran Junction. Unterwegs treffen wir auf eine riesige Bisonherde, die die Straße überquert. Nach der Moran Junction gibt es eine lange Baustelle. Wir treffen schließlich dann nach 20 Uhr bei der Togwotee Mountian Lodge ein. Die Dame bei der Reception informiert uns, dass wir alles Essbare aus den Autos entfernen müssen, da die Bären in die Autos einbrechen, nicht aber in die Hütten. Ob das wahr ist? Wie auch immer, wir befolgen den Rat. Die Hütte steht in einer Hüttensiedlung, ist sehr schön, geräumig und vor allem sehr gemütlich. Wir sitzen am Abend vor der Hütte, essen vom Inhalt unserer Kühlbox.

16. Juli 2012:

Bärenbesuch hatten wir nicht in der vergangenen Nacht. Wir schlafen länger und ich bereite ein Frühstück von unseren Vorräten in der Hütte zu. Dann brechen wir zu unserem Ausflug zum Jenny Lake und den Hidden Falls auf. Wir müssen zunächst zurück zur Moran Junction. Über die Jackson Lake Junction geht es in den Grand Teton National Park. Die Bergkette ist grandios, auch wenn sie nicht so hoch wirkt, wie sie tatsächlich ist. Durch die vielen Fotostopps unterwegs brauchen wir bis halbeins, bis wir beim Jenny Lake ankommen. Hier ist es bewölkt, es sieht nach Gewitter aus. Wir fahren mit dem Boot zum anderen Ufer und beginnen die Wanderung zu den Hidden Falls – gemeinsam mit einer ganzen Karawane von amerikanischen Touristen. Die Wanderung ist zwar nur 0.7 Meilen lang, aber der Weg ist ziemlich steil. Der Blick auf den Wasserfall ist aber toll! Wir sitzen ein wenig und genießen den Anblick des Wassers. Für die Wanderung zum Inspiration Point bleibt nicht mehr genug Zeit. Also zurück zum Bootsanlegeplatz, jetzt beginnt es richtig zu regnen. Als wir am anderen Ufer sind, scheint wieder die Sonne und der Himmel ist blau. Wir finden einen Platz am See, wo wir sogar allein sind. Um 17 Uhr müssen wir beim Treffpunkt zum Cookout sein, das Geburtstagsgeschenk für B., das ich schon von Wien aus gebucht hatte. Drei Meilen nach der Moran Junction gibt es eine Abzweigung ins Buffalo Valley, hier ist der angegebene Treffpunkt. Drei Wägen werden mit Pferden bespannt, deren Stockmaß beachtlich ist. Wir sind ca. 45 Leute. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde durch eine wunderschöne Gegend, Seen, Wiesen, Wälder. Dann erreichen wir ein überdachtes Areal, eine Lady aus Texas und ihr Mann sind hier die Unterhalter. Sie feiern heuer ihren 55. Hochzeitstag. Der Mann grillt die Steaks (es gibt Steak, Bohnen, Folienkartoffel, Muffins und Brownies). Danach spielt er auf der Gitarre, der Geige und Harmonika. Außer uns gibt es noch ein Schweizer Paar, sonst nur amerikanische Touristen – wir hatten uns vor dem Essen alle vorstellen müssen. Um 19.45 Uhr ist Aufbruch, wir fahren wieder mit den Pferdewägen zu unseren Autos und dann zurück in die Lodge. Ich räume das Auto auf und wir sitzen noch eine Weile auf der Veranda, der Himmel färbt sich wunderschön im späten Abendlicht.

17. Juli 2012:

Um 6 Uhr ist Tagwache. Vom Bärenbesuch blieben wir auch in dieser Nacht verschont. Wir frühstücken wieder in der Hütte, um 8.30 Uhr müssen wir uns bei der Rezeption melden, denn wir hatten einen Ausritt gebucht. Gemeinsam mit zwei anderen Gästen geht es dann los in die Wälder, unser Führer ist ein pensionierter berittener Polizist aus Colorado. Zu fünft geht es dann noch vor 9 Uhr los durch traumhafte Wälder bergauf und bergab, die Tetonkette ist in der Ferne sichtbar, um uns Wälder und Blumenwiesen. Ein tolles Erlebnis! Später dann geht die Fahrt zurück zur Moran Junction, dann nördlich in Richtung Yellowstone National Park. Am Picknickplatz Arizona Island machen wir halt und genießen unsere etwas spartanischen Vorräte, es gibt nur noch Fischdosen und ein wenig Brot. Die Blumen, die im Vorjahr hier die Wiesen übersäten, sind heuer schon verblüht, es ist schon ein wenig später im Jahr. Weiter geht es Richtung Norden, es folgen mehrere Fotostopps, z.B. bei den Lewis Falls. Einige färbige Geysire in West Thumb heben sich schön vom Hintergrund des Yellowstone Lake ab, eine Elchkuh steht dekorativ im Vordergrund. Es herrscht ein tolles Fotolicht. Dann geht es weiter, wir wollten eigentlich zum Grand Prismatic Spring, verpassen aber eine Abzweigung und fahren stattdessen am östlichen Ast der Loop entlang des Yellowstone Lake. Wir halten an einem Platz mit großartigen Stromschnellen, es gibt einen kleinen Trail unterhalb der Straße. Über Canyon Junction weiter zur Norris Junction, wir sehen eine Bisonherde in der Ferne, zwei offenbar neugeborene Bisonbabys lagern neben ihren Müttern. Einige Bisons bevölkern auch die Straße und ein Hirsch neben der Straße verursacht den üblichen Stau. 20 km vor unserem heutigen Ziel machen wir Halt an einem Picknickplatz in der Abendsonne. In Mammouth Hot Springs grasen drei Elchkühe vor dem Hotel.

18. Juli 2012:

Über Tower Junction fahren wir durch das Lamar Valley – eine zauberhafte Landschaft! Das Lamar Valley ist nicht so überlaufen wie die anderen Teile des Yellowstone Parks, hier gibt es aber den größten Tierbestand. In der „Serengeti Nordamerikas“ grasen riesige Büffelherden auf den Weiden. Wir stoppen bei Floating Island Lake (ein wunderschöner Platz!), statten dem Petrified Tree einen Besuch ab und gehen den kurzen Calcite Springs Loop Trail. Bei Soda Butte komme ich – unabsichtlich - fast in Tuchfühlung mit einem Bison. Schließlich verlassen wir den Yellowstone Park durch den Nordosteingang. Wieder bleibt einiges, was wir nicht sehen konnten. Ein Grund, um hierher zurückzukommen! Kurz nach dem Parkausgang liegt der Ort Cooke City, wir sind ganz kurz in Montana. Wir fahren nun auf dem Beartooth Pass, die angeblich schönste und atemberaubendste Straße Amerikas, sie führt bis auf 3.336 m Seehöhe. Leider sind wir spät dran und können nicht bis Red Lodge fahren, aber die 22 km, die wir den Pass hochfahren, waren es wert, gesehen zu werden. Tiefblaue Seen, mit Blumen übersäte Wiesen – und keine Menschen. Wir halten auf einem Picknickplatz und nehmen unsere Mahlzeit ein, hinter uns spaziert ein Reh gemütlich dahin. Wir beobachten einen Fischer und bewundern die Schönheit des Platzes. Dann geht es weiter. Die Straße schlängelt sich immer höher hinauf, ein Fotostopp folgt dem nächsten, die Gegend ist umwerfend und ich würde gerne hierbleiben, um die Landschaft mehr zu erkunden. Geht aber nicht! So drehen wir um und fahren zur Kreuzung 14 Meilen vor Cooke City auf den Hwy 296, den Chief Joseph Scenic Byway, auch eine Strecke von außergewöhnlicher Schönheit. Rechts liegt der Shoshone National Forest. Unglaublich rasch wechselt die Landschaft. Am Dead Indian Summit Overlook treffen wir eine Amerikanerin, die ganz entzückt von der Landschaft ist und meint, warum mache man soviel Aufhebens von Yellowstone – das hier wäre mindestens ebenso schön. Sie hat Recht, die Schönheiten der Landschaft sind unterschiedlich, aber wahrhaft „breathtaking“. Vor uns liegen die Absaroka Mountains und das Sunlight Basin. Eine Tafel erklärt die Flucht der Nez Perce Indianer im Jahr 1877. Weiter geht die Fahrt, wir erreichen die Sunlight Creek Bridge. Die Sonne wirft unsere Körperschatten von der Brücke auf die gegenüberliegenden Felsen. Und wieder geht es weiter, zwischen tiefhängenden Regenwolken blickt die Sonne hervor und taucht die Felsen in ein dunkles Rot. Eine eigenartige, fast mystische Stimmung liegt über der Landschaft. Eine unglaublich schöne Strecke, hierher muss ich zurückkommen! Wir nähern uns Cody und wenige Kilometer davor springen drei Rehe direkt vor unser Auto. Nur mit einer äußerst scharfen Notbremsung gelingt es mir, einen Zusammenprall zu vermeiden, Im Auto kugelt alles durcheinander, aber egal. Die Rehe sind unverletzt und unser Auto unbeschädigt. Wir treffen in Cody ein und über der Stadt steht ein breiter Regenbogen. Wir wohnen in einer Cabin, aber es ist sehr heiß drinnen und die Klimaanlage ist viel zu schwach für die Temperaturen. Leider gibt es auch keinen Kühlschrank. Unser Abendessen nehmen wir in einem mexikanischen Restaurant ein.

19. Juli 2012:

Wir frühstücken im „Grannys“ gegenüber von unseren Cabins. Dann schlendern wir die Sheridan Avenue hinunter. Die ganze Stadt lebt vom Ruhm des Westernhelden Buffalo Bills, sogar sein Hotel „Irma“ gibt es noch. Wir besichtigen noch die „Old Trail Town“, eine alte Westernstadt als Freilichtmuseum eingerichtet. Eigentlich wollte ich ja ins Wapiti-Valley fahren, aber es ging sich nicht aus (noch ein Grund, zurückzukommen?). Wir essen Eis in „Peter’s Cafe“ und gehen am späten Nachmittag zurück zum Hotel. Die Hitze in der Cabin ist unerträglich und wir fliehen hinaus und schlendern zurück auf die Sheridan Avenue, schauen kurz den „Schiessereien“ vor dem Irma Hotel zu, es wird uns aber bald zu laut. Um 19.30 Uhr gehen wir dann in das gegenüberliegende Theater zur Dan Miller Show. Alte und neue Countrylieder werden gesungen, die 14jährige Tochter Dans spielt meisterhaft Geige und der Gitarrist ist hervorragend. Ein netter Abend! Danach trinken wir noch Bier im mexikanischen Restaurant, sitzen im Freien und genießen das Flair Codys.

20. Juli 2012:

Wieder müssen wir weiter! Nun gibt es nur mehr ein Ziel auf dieser Reise, nämlich die New Haven Ranch in Hulett im Nordosten Wyomings. Fast 600 km sind es bis dorthin, wir haben dafür zwei Tage veranschlagt. Über Powell geht es über die US 14 nach Lovell, dort kaufen wir für unser Picknick ein. Die Kassiererin, eine junge Frau, war schon in Österreich – natürlich in Salzburg wegen des Filmes „Sound of Music“. Die Landschaft ist zunächst flach und karg, dann aber tauchen die Berge der Bighorn Mountains auf. Nach Lovell verlassen wir die 14A und biegen links auf den Hwy 37 ein in die Bighorn Canyon National Recreation Area. Wir fahren zum Devil Canyon Overlook, ein Anblick, der sich völlig unerwartet vor uns auftut. Die Felswände schimmern in den unterschiedlichsten Farbtönen, leider ist es bewölkt und so können wir die Farbenpracht nicht voll sehen. Im Grenzgebiet zwischen Montana und Wyoming ist ein so tiefer Canyon ein wenig überraschend. Wir fahren zurück zur Horseshoe Bend, Dann geht es weiter über die Bighorn Mountains – eine weitere grandiose Bergkulisse. Die Straße windet sich empor zum 3000 m hohen Granite Pass mit Waldgebieten und Bergwiesen. Auf dem langgestreckten Hochplateau gibt es eine vielfärbige Blumenpracht und immer wieder müssen wir stoppen, um diese zu bewundern – und zu fotografieren. Ein Feld mit dunkelrosa Blumen hat es uns besonders angetan. In der Ferne stehen Gewitterwolken, aber mehr als ein paar Tropfen regnet es auf unserer Fahrt nicht. Über Burgess Junction geht es über Dayton nach Ranchester, wo wir auf die Interstate 90 auffahren. Bei Sheridan fahren wir von der Autobahn ab, wir wollen die Stadt ein wenig besichtigen. Dann geht es weiter bis Buffalo, wo wir übernachten werden. Dort wartet eine Überraschung: wir wohnen im Historical Occidental Hotel, das eher ein Museum als ein Hotel ist. Auch die Receptionistin scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. Das Bett ist sehr schmal, WC und Bad sind im gleichen Zimmer, nur abgetrennt durch eine Schwingtüre, die Badewanne ist antik. Das Hotel gibt einigen Gesprächsstoff ab. Wir suchen ein Lokal, wo wir essen können und werden fündig: wir nehmen unser Mahl in einem netten Garten ein, wo ein nicht sehr talentierter Countrysänger die Gäste unterhält.

21. – 27. Juli 2012:

Wir lassen uns Zeit am Morgen, denn unsere heutige Fahrstrecke ist nicht sehr lange. Wir schlendern noch ein wenig durch Buffalo. Gegen Mittag fahren wir weiter, einen Picknickplatz suchen wir vergebens auf der ganzen Strecke, auch nachdem wir die Autobahn bei Morrcroft verlassen haben. Es geht dann weiter über Hwy 24 über Pine Haven, Carlile, die Devils Tower Junction nach Hulett, ein Ort mit etwa 300 Einwohnern. Bei der Tankstelle erkundigen wir uns nach der New Haven Ranch, es sind noch 22 km bis dorthin – auf unasphaltierter Straße. Die Fahrt zieht sich dahin, es fehlen Hinweise auf die Ranch. Ein Reh springt vors Auto, ich kann rechtzeitig bremsen. Schließlich stehen wir aber auf dem Gelände der New Haven Ranch. Sie erstreckt sich über 2000 Hektar, eine „kleine“ Ranch – schließlich gibt es in Wyoming Ranches mit einer Million Hektar!! Die folgenden Tage sind den Ausritten gewidmet, aber auch dem Kennenlernen des Lebens auf einer Ranch und der Erholung. Die Menschen leben total abgelegen hier. Zwei Stunden dauert die Fahrt zum nächsten Großeinkauf, ebenso lange in das nächste Krankenhaus – und doch nehmen viele das Risiko auf sich, hier zu leben, um die größere Lebensqualität zu genießen. Wir lernen auch eine Siedlung der Amischen kennen, die weiter talabwärts leben. Acht Familien leben hier, und wenn man in ihr Tal einbiegt, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Wir kaufen Zügel und Zaumzeug, die die Amischen selbst herstellen und die sehr preisgünstig sind. Die landwirtschaftlichen Maschinen sehen aus wie Museumsstücke. Alles funktioniert mechanisch, es gibt keinen elektrischen Strom. Wir machen auch Ausflüge, z.B. zum Devils Tower, die Fahrt dahin dauert etwa 45 Minuten über eine unbefestigte Straße. Der Devils Tower ist ein turmartiger, alleinstehender Felsen und ist 265 Meter hoch. Er wird von mehreren Indianerstämmen als heiliger Ort betrachtet. Ein Rundweg führt um den Felsen, man sieht einige Kletterer – was von den Indianern als Sakrileg empfunden wird. Ein anderer Ausflug führt uns nach Deadwood in South Dakota, etwa zwei Stunden Fahrtzeit benötigt man dorthin. Deadwood wurde 1876 gegründet, eine Siedlung die aus einem Zeltlager von Goldgräbern entstand während des Goldrausches in den Black Hills. Heute ist Deadwood bekannt für seine Spielcasinos.

28. Juli 2012:

Heute verabschieden wir uns von der New Haven Ranch. Wir fahren zunächst über den Ort Aladdin mit seinen 13 Einwohnern und einem alten, riesigen General Store. Bald schon sind wir in South Dakota und fahren über den Spearfish Scenic Byway nach Mount Rushmore, dem „Nationalheiligtum“ der Amerikaner. Hier gibt es richtige Touristenmassen (amerikanische). Ein wenig enttäuscht sind wir von dem Monument, irgendwie hatte ich mir das größer vorstellt. Wir gehen den Presidental Trail, machen etliche Fotos, viel gibt es ja nicht zu sehen. Die 20 Meter hohen Statuen sind zu weit entfernt, um wirklich imposant zu wirken. Dann besuchen wir noch den Custer State Park, halten uns am Sylvan Lake auf, dessen Felsen schön im Spätnachmittagslicht schimmern, gehen ein Stück am Ufer entlang und fahren dann den Needles Highway. Die Tunnels, durch die sich die Autos zwängen müssen, sind schon beeindruckend. Dann geht es weiter nach Rapid City.

29. Juli 2012:

Wir wollten einen Ausflug zu den Badlands unternehmen, aber es regnet und so beschließen wir, in Rapid City zu bleiben und den Einkaufszentren einen Besuch abzustatten. Wir haben schon so vieles gesehen und erlebt in den letzten Wochen, da macht es nicht aus, noch einen Ruhetag vor dem Heimflug einzulegen. Das Restaurant „Old Firehouse“ ist ein würdiger Ort, um den Abschied zu feiern. Wir schlendern über den Hauptplatz, wo es farbig beleuchtete Wasserfontänen gibt.

30./31. Juli 2012:

Nun ist er da, der Tag des Heimfluges. Von Rapid City fliegen wir nach Denver und von dort nach Frankfurt und weiter nach Wien. Vier wahrhaft unvergessliche Wochen liegen hinter uns und die Vielzahl an Eindrücken muss erst verarbeitet werden….