AUFBRUCH INS GROSSE ABENTEUER

USA Westen Juni 2011

Es ist Sonntag und der Tag vor unserer Abreise: eine Reise in das große Abenteuer! Seit Monaten studierte ich in jeder freien Minute jede Menge Literatur über unser Reisegebiet. Das Ergebnis ist eine Reiseroute, die uns ganz bestimmt gefallen wird. Es ist B.s erste Amerikareise, ich war 1996 schon einmal im Südwesten der USA.

20. Juni 2011:

Nun geht es also wirklich los, seit Monaten freuten wir uns darauf, jetzt gibt’s kein Zurück mehr. Zunächst geht es einmal nach Frankfurt, wo es in Strömen regnet und es sieht eher nach November aus als nach dem Tag vor der Sommersonnenwende. Dann beginnt die Marathonsitzung über den Atlantik, aber im Grunde genommen, vergehen die 10 Stunden rascher als wir befürchtet hatten, 2 Filme aus dem Unterhaltungsprogamm, ein Drittel eines Buches, der vergebliche Versuch, zu schlafen, ein paar Gespräche mit B., der nur ein paar Reihen hinter mir sitzt – und die letzten eineinhalb Stunden, die dann doch ein wenig lang wurden. Um 16 Uhr Ortszeit Landung in Denver, für uns ist es allerdings schon 2 Uhr morgens. Rasch raus aus der Maschine, damit wir keine lange Schlange vor den Einreisebeamten vor uns haben. Und dann haben wir noch 2 Stunden Zeit bis zum Weiterflug nach Boise. Gegen 21 Uhr landen wir dann in Boise, Idaho. Jetzt ist es schon 7 Uhr morgens zu Hause. Nun noch die Autoübernahme – Chevrolet oder Toyota Corolla wir entscheiden uns für den letztern. Der Navi macht Probleme. Ich fange schon an, die Unterlagen hervorzukramen, irgendwie werden wir die 7 km schon finden zum Hotel. Dann große Erleichterung, das Navi spricht mit uns, noch dazu in Deutsch. Dann ist es nur mehr eine Frage von wenigen Minuten, bis wir vor dem Hotel stehen. Ein Zimmer mit zwei riesigen, weichen Betten – was kann es Schöneres geben nach einer 23stündigen Reise?

Dienstag, 21. Juli 2011:

Um halbneun werde ich wach. Nun sind wir wirklich angekommen! Also rasch duschen und dann geht’s zum Frühstück, die erste große Herausforderung. Denn als wir fragen, was es gibt, verstehen wir die Antwort kaum, der Dialekt in Idaho ist nicht gerade lupenreines Englisch. Gut, wir schaffen es aber irgendwie und genießen unser Frühstück vor dem Hotel. Ein traumhafter Tag, blauer Himmel, warm, einige Wolken am Himmel. Das erste Frühstück des Urlaubs ist immer das schönste! Drei Wochen liegen vor uns, drei Wochen ohne Gedanken an die Arbeit, an die Verantwortung, nicht kochen, nicht putzen, nicht sorgen, dass alles in Ordnung ist. An der Rezeption erkundigen wir uns, was es in Boise zu sehen gibt. Wir erhalten einen kleinen Stadtplan, die Orientierung fällt nicht schwer mit den geraden Straßen und Häuserblocks. Nun, viel gibt es nicht zu sehen, aber da ist ein schöner Park mit vielen Rosen, der Boise River - ziemlich breit - und ein Denkmal, Anne Frank gewidmet, aber im Gedenken an die Rechte aller Menschen. Zurück zum Hotel, ins Auto und zum Supermarkt. Und dann geht’s tatsächlich los! Bald schon sind wir auf der Straße 55, in den Ausläufern der Rocky Mountains, wir fahren nordwärts. Grüne, nicht bewaldete Hügel und einzelne Bäume formen die Landschaft. Aber dann kommen richtige Wälder, die Hügel werden höher und wir fahren entlang eines breiten Flusses, der immer reissender wird, es ist der Payette River, der viele Stromschnellen aufweist. Einige Rafter sind unterwegs, kaum zu glauben, dass man sich auf diesen Schnellen („rapids“) halten kann. Die Landschaft erinnert mich an Norwegen, aber noch größer in den Dimensionen. Schade, dass wir weiter müssen, es ist schon später am Nachmittag. Wir nähern uns der Kreuzung bei Smith Ferry, wo wir zur 4D-Longhorn Guest Ranch abbiegen müssen. Hier befinden wir uns im Boise National Forest. Die Beschriftung ist ein wenig verwirrend, aber dann fahren wir auf einer nicht asphaltierten Straße, die nicht gerade in einem guten Zustand ist. Uns kommen Zweifel auf, unser Navi hat uns schon lange die Ankunft am Ziel angekündigt, aber es gibt nichts weit und breit. Also weiter. Bis schließlich eine Tafel mit „Welcome“ den Verdacht erregt, am Ziel zu sein. Stimmt, die Ranch liegt vor uns, eingebettet in endlose Wälder. Die Einrichtung des Haupthauses der Ranch ist urig, es steckt wohl viel Arbeit und Liebe zum Detail dahinter – und auch eine lange Zeit. Brad, der Besitzer der Ranch wird erst in der kommenden Nacht zurück sein. Am Abend sitzen wir ums Feuer und grillen Fleischstücke, die auf Holzstäbchen aufgespießt wurden.

22. Juni 2011:

Laute Countrymusik hallt durchs Haus - das Zeichen für das Frühstück, hervorragend zubereitet von Sharon. Brad begrüßt uns - er ist ein Allroundtalent, aber vor allem und mit Leidenschaft ein Cowboy. Die Pferde befinden sich auf einer tiefergelegenen Weide, wo sie nachts grasen. Mit Raymon seinem Hund, holt er die ganze Herde. Ein wunderbarer Anblick, wenn er die Pferde von der Weide herauftreibt, ungefähr 40 Pferde galoppieren den Hang herauf. Dann sucht er mit Kennerblick aus, welches Pferd zu welchem Reiter passt. Aber heute ziehe ich noch einen Spaziergang dem Ausritt vor.

23. Juni 2011:

Brad fragt mich, ob ich heute wohl die Reitstiefel anziehen werde? Ich stimme zu und es wird ein netter Ausritt mit Schwammerlsuchen, die dann am Abend zubereitet werden, eine Art Bärentatze. Dann gibt es noch Unterricht im Westernreiten in der Arena, mit Fässern und Stangen. Ich reite Oreo, einen Wallach, 22 Jahre alt und trotzdem immer schneller als die andern.

24. Juni 2011:

Die Gruppe macht einen Tagesausflug zu einem See. Ein 5-Stunden Ritt ist angesagt, eindeutig zu viel für mich. Ich fahre daher in den Wildlife Canyon und erfreue mich an den atemberaubenden Landschaften und an den Stromschnellen – die Schneeschmelze auf den höheren Bergen hat wohl ihren Höhepunkt erreicht.

25. Juni 2011:

Die Pferde werden in den Trailer verladen und wir fahren über die Berge zu einer hochgelegenen Weide. Ein jeder von uns erhält Chaps. 150 Rinder sollen auf eine andere Weide gebracht werden. Paddy – wir bezeichnen ihn als echten Cowboy – wird die Sache leiten. Zahnlos und ohne das Cowboyklischee, mit Jean und blauem Hemd gekleidet und von unbestimmbaren Alter, aber sicher über 60. Es wird recht lustig und manchmal auch aufregend. Wir sollen die Rinderherde stoppen, die auf uns zurennt. Wir sind sehr skeptisch, als sich diese große Herde auf uns zubewegt, wir wissen nicht, dass die Tiere automatisch stoppen, wenn sie sich den Pferden nähern. Der Border Collie Raymon ist in seinem Element, auf ein Wort von Brad sammelt er die jungen Kälber ein. Unser Trailer parkt bei einem Wellblechhaus, und ich lerne Amy kennen, die hier wohnt. Sie erzählt mir, dass sie 1989 in Deutschland war, wo ihr Sohn in der US-Army diente. Er war 20 Jahre lang bei der Army in verschiedenen Ländern im Einsatz. Früher wohnte die Familie in einem Camper, die Frau lebte auch acht Jahre lang in San Francisco, aber dort würden alle mit langen Gesichtern herumlaufen. Hier, in der Einsamkeit der Berge wäre es viel schöner und die Leute wären netter. Sie zeigt mir ein Foto von einem Bären, den ihr Sohn vor wenigen Monaten erlegte. Pro Jahr dürfe man einen Bären schießen, ich frage mich, wer das hier kontrollieren sollte. Die Pferde werden wieder verladen und Brad schickt uns über eine andere Straße nach dem Motto „find your way“ zurück. Die Straße ist noch schlechter als die am Vormittag, aber sie führt durch schöne, dunkle Wälder. Am Abend ist wieder Reiten angesagt. Wir reiten zu den Zäunen, veranstalten ein Wettreiten um die Fässer und reiten dann noch in den Wald und über die Wiesen zurück, die von blauen Blumen übersät sind.

26. Juni 2011: Nach dem Frühstück müssen wir uns verabschieden, vor uns liegt heute eine Fahrtstrecke von über 500 km. Viel zu rasch vergingen die vier Tage mit Brad auf der Ranch. Auf dem Highway Idaho-55 geht es weiter in Richtung Norden durch den Payette National Forest. Wir erreichen den Hwy 95, der Weg geht jetzt durch die Nez Perce Indian Reservation. Beeindruckende Landschaften: die Berge voll mit gelb blühenden Blumen, reißende Flüsse, schneebedeckte Berge, wir durchqueren ein altes Goldgräbergebiet. Mittagessen auf dem Picknickplatz Sheep Creek. Dann biegen wir auf den Hwy 13 ein, nach kurzer Zeit dann auf die Hwy 12, wir befinden uns auf dem Lewis & Clark Trail, dem Northwest Passage Scenic Byway Auf 200 km absolut nichts, kein Dorf, keine Tankstelle - dafür atemberaubende Landschaften. Die Straße führt entlang des Lochsa Rivers, in den unzählige Creeks einmünden. Die landschaftliche Schönheit Idahos fasziniert uns. Hier möchte ich gerne zurückkommen und mehr Zeit haben. Um 19 Uhr erreichen wir Missoula, die zweitgrößte Stadt von Montana.

27. Juni 2011:

Heute bleiben wir in Missoula und sehen uns ein paar Geschäfte an. Dann die böse Überraschung: das Navi lädt nicht über die Batterie. Alle Versuche, das Gerät wieder in Gang zu bringen, scheitern. Derzeit ist es ja noch vollgeladen, so können wir heute noch die wichtigsten Adressen finden. Es sind ohnehin nur Einkaufszentren, die in der Nähe liegen. Wir erstehen einige recht hübsche Dinge. Am Abend fahren wir dann nach Downtown in die Higgings Avenue, wir suchen ein Restaurant, finden stattdessen ein Eisgeschäft.

28. Juni 2011:

Heute wird unsere Fahrtroute nach Norden führen. Zuvor aber heißt es noch, das Chaos im Auto zu beseitigen. Unsere Einkäufe von gestern müssen irgendwie verstaut werden. In Ermangelung einer anderen Möglichkeit, breiten wir unser Gepäck auf dem Parkplatz aus. Das Ziel heißt heute Whitefish. Zuvor aber fahren wir noch zu einem Target Supermarkt, um ein neues Navigationsgerät zu kaufen. Wir könnten uns durchaus mit der Karte arrangieren, aber die Hotelsuche würde uns zu viel Zeit wegnehmen. Es ist schon nach 13 Uhr, als wir Missoula verlassen. Wir fahren nicht lange, ein Indian Trade Post auf der Straße verlockt zu einem Stopp. Am Flathead Lake gehen wir in ein Cafe, das von außen miserabel aussieht, sich aber dann als ein sehr nettes Lokal mit einer schönen Terrasse entpuppt, mit einem traumhaften Blick über den See. Der Kaffee ist miserabel, wie jeder amerikanische Kaffee. Weiter geht es über Kalispell nach Whitefish. Dann heißt es rechts abbiegen in das Big Mountain Resort, wo unser Ziel, die Kandahar Lodge liegt. Eine beeindruckende Lobby – aber ein sehr kleines Zimmer - empfangen uns.

29. Juni 2011:

Das Frühstück ist karg: geschälte Eier auf Eiswürfeln und ein Eckerlkäse. Wir brechen zu einer Wanderung auf, folgen einem Waldweg, queren einen reißenden Bach auf einer provisorischen Brücke, dabei singen und lärmen wir, um Bären fernzuhalten. Bei den Bären sind wir erfolgreich, nicht so bei den Mücken. Dann genehmigen wir uns einen „köstlichen“ Kaffee auf der Terrasse der Base Lodge. Anschließend fahren wir nach Whitefish. Stoppen bei einem Westernstore, der Besitzer ist ein uriger Typ mit weißem Haar und weißem Rauschebart. Wir bummeln durch die Stadt, lernen eine deutsche Geschäftsinhaberin kennen, die es hierher verschlagen hat und essen in einem mexikanischen Restaurant. Zurück in der Lodge wollen wir den „Hot Tube“ noch ausprobieren – ein großer Whirlpool für uns allein, angenehm und entspannend.

30. Juni 2011:

8 Uhr Tagwache, Frühstück (gleich karg wie gestern!) und Abreise. Über den Hwy 40 nach West Glacier. Gestern hatten wir mit einen jungen Mann beim Visitor Center gesprochen, der uns empfahl, einen Stop bei Hungry Horse einzulegen, einem großen Staudamm. Die paar Kilometer Umweg war es schon wert. Wir befinden uns im Flathead National Forest. Wir erreichen West Glacier. 25 Dollar Eintritt beträgt der Eintritt in den Nationalpark, gilt eine ganze Woche. Wir erfahren, dass die „Going to the Sun Road“ noch nicht durchgehend befahrbar ist, nur 16 Meilen vom Westen her und 13 Meilen vom Osten her kann man in den Park fahren. Wie schade! Die Frau beim Eingang zeigt uns ein Bild, das gestern aufgenommen wurde. Es liegen noch 4 Meter Schnee am Logan Pass, man ist noch immer mit der Schneeräumung befasst. Erst nach unserer Heimkehr, am 13. Juli, wird die Straße heuer eröffnet werden, so spät wie noch nie in den 78 Jahren ihres Bestehens. Das nennt man Pech! Gleich nach dem Eingang in den Park gibt es unzählige Geschäfte, die wir natürlich auch besuchen müssen. Die Preise sind verlockend, noch dazu gibt es in Montana keine Steuer! Das Visitorcenter liegt am Lake Mc Donald, dort lassen wir uns Vorschläge für Wanderungen geben. Als wir emsig mit dem Fotografieren beschäftigt sind, bricht ein Gewitter los. Wir flüchten in einen Laden, der ca. 10minütige Regen kostet mich 47 Dollar für meine Einkäufe. Wir nehmen unser Mittagessen auf einer nahegelegenen Picknick Area ein. Weiter auf der Going to the Sun Road, immer wieder Fotostopps, grandiose Landschaften, wirklich unbeschreiblich. In Avalanche stehen wir dann am Ende der Straße, aber hier ist die Straße gesperrt. Wir gehen den Cedar Creek, der nur 0,8 Meilen lang ist und durch einen Wald führt, in dem es seit 1500 keinen Waldbrand gegeben hat, daher findet sich hier ein sehr alter Baumbestand. Zurück zum Fish Creek, wo es offenbar erst im Vorjahr einen Waldbrand gab. Die vorgeschlagene Wanderung können wir heute nicht mehr machen, es ist zu spät - schon 18.30 Uhr. Wir haben noch einen längeren Weg vor uns. Wir müssen den Glacier National Park vom Süden her umrunden, auf dem Highway 2 fahren wir - es gibt keine Ortschaften, nur Natur. Beeindruckende Landschaften, reißende Flüsse voll mit Schmelzwasser von den Bergen. Schliesslich beim East Glacier, über die Straße 49 vorbei an Two Medicine Lake, ein umwerfender Anblick! Dann über die Straße 89, weites endloses Land. Nach einer Kurve steht plötzlich eine Pferdeherde auf der Straße, später sind es dann Kühe – aber kein Bär. Beim östlichen Eingang des Parks befindet sich unsere heutige Unterkunft. Unser Zimmer hat einen Balkon, von dem man auf den Fluss direkt vor den Fenstern blicken kann. Wir finden allerdings kein offenes Lokal mehr, also gibt es heute kein Abendessen.

1. Juli 2011

Der Parkeingang liegt gleich neben der Lodge. Wir beginnen unsere „Arbeit“ mit unzähligen Fotostopps. Die Landschaft ist umwerfend, sie nimmt einem den Atem und auch die Wörter, um sie zu beschreiben. Schneebedeckte Berge, der türkisblaue St. Mary Lake, einige dekorative Wolken, die bizarren Bäume. Schwer ist es, die Eindrücke wieder zu geben. Stopp bei Sunrise Point. Weiter dann zu Sunrift Gorge, wo sich der Fluss einen Weg durch Felswände gebrochen hat. Wir wandern von hier zu den Baring Falls und dann weiter zu den St. Marys Falls. Wir treffen eine Rangerin, die uns erzählt, dass es viele Bären in dieser Gegend gibt. Es gibt aber auch genug andere Wanderer. Nach St. Marys Falls geht es dahin über wunderbare Grünflächen voll mit orangefarbenen, blauen, gelben und weißen Blumen. Wie im Paradies, daneben der türkisblaue See, die schneebedeckten Berge. Der Rückweg zieht sich dahin, es sind wohl insgesamt 6 km über einen Waldweg, die Höhe hier macht sich wohl auch bemerkbar, wir befinden uns auf mehr als 2000 Meter Seehöhe. Nach 17 Uhr sind wir zurück. Wir fahren noch bis zum Jackson Glacier Overlook, ab da ist die Strasse gesperrt. Es liegt Schnee neben der Strasse. Dann in der Nähe der Schiffsanlegestelle machen wir unser spätes Picknick. Wir sind ganz alleine hier, nur zwei Autos mit Rangern fahren vorbei. Die Abendsonne hüllt alles in ein warmes Licht. Später sitzen wir auf der Terrasse und genießen noch ein Glas Wein und Keks. Schade, dass wir morgen weg müssen, hier könnte man es viel länger aushalten.

2. Juli 2011:

Es heißt wieder einmal: einpacken und los geht’s! Unsere heutige Fahrtetappe ist nicht allzu lange – „nur“ 340 Km. Bevor wir aber den Glacier Park verlassen, möchten wir noch zu Many Glacier, etwas nördlich im Park gelegen. Ursprünglich hätten wir ja dort übernachten sollen, aber das Hotel war leider ausgebucht. Wir fahren 9 Meilen nach Babb, von da geht es in den Glacier Park, ca. 12 Meilen. Die Lage des Hotels ist umwerfend, es wurde bereits 1919 für Touristen erbaut. Der Lake Sherburne ist umrandet von mehreren Gletschern (die allerdings teilweise heute keine Gletscher mehr sind..). Eine atemberaubende Kulisse! Das Hotel wird umgebaut und ist teilweise gesperrt, das war wohl der Grund, dass wir hier kein Quartier erhielten. Anschließend machen wir noch eine Wanderung und dann verlassen wir den wunderschönen Glacier National Park. Über Browning in der Blackfoot Indian Reservation geht unser Weg über die 89er, von Choteau aus über die 287er nach Wolf Creek. Die gesamte Strecke führt durch nahezu menschenleeres Gebiet. Rinder weiden auf riesigen Flächen, ganz vereinzelt sieht man Ranchhäuser. Die Straße verläuft meist schnurgerade dahin durch hügeliges Gebiet. Der Blick in alle Richtungen ist grenzenlos, wir verstehen, warum Montana „Big Sky Country“ heißt. Die Verhältnisse an einer amerikanischen Baustelle sind interessant. Erstens gibt es mehrere Leute, die mit einem Stopschild stehen – anstelle einer mobilen Ampel. Und dann fährt jeweils ein „Pilot Car“ voran, um die Autos durch die Baustelle zu lotsen. Es ist schon nach 20 Uhr, als wir die Rocking Z Ranch bei Wolf Creek erreichen. Die Ranch wird von der Familie Wirth geführt, Patty und Zack und deren 2 (von 6) Kindern, die hier mitarbeiten, Maria und Anna. Zacks Urgroßvater kam 1862 aus Deutschland, um hier Gold zu suchen. Die Ranch befindet sich seit 1951 im Besitz der Familie.

3. Juli 2011:

Zwei Wochen unseres Urlaubs sind schon vergangen, wie schnell verfliegt die Zeit hier! B. unternimmt einen Ausritt und ich habe endlich Zeit, das Auto aufzuräumen und Wäsche zu waschen. Es ist sehr heiß heute, ich schätze, es sind mehr als 35 Grad. Am Nachmittag gibt uns Maria, die Tochter der Ranchbesitzer eine Stunde in Parelli-Bodenarbeit. Dabei werden wir unterbrochen: alle wollen das neugeborene Fohlen sehen, das die Gruppe der Ausreiter heute gefunden hat. Und so erklimmen alle den großen Pickup, der von Marias Mann gefahren wird. Lange suchen wir nach dem Fohlen, erst nach längerem Suchen wird es im Schatten einer Baumgruppe entdeckt. Das Fohlen wurde höchstwahrscheinlich in der letzten Nacht geboren.

Montag, 4. Juli 2011

Am Nachmittag mache ich den Ausritt mit. Die Gegend ist wunderschön, sanfte, grüne Hügel ringsumher, Kakteen blühen und auch die rosafarbene Montana state flower, die Bitterroot-Flower. Die Hänge sind überzogen damit, angeblich blühen sie immer um den 4. Juli herum. Zurück bei der Ranch erhalten wir dann noch eine Lektion in Parelli-Bodenarbiet. Maria erzählte uns, dass es in der Nähe ein Adlernest gäbe. Leider finden wir es nicht, stattdessen aber eine große Eule, die offenbar auf dem Felsen Junge hat, man hört sie piepsen. Nach dem Abendessen wird dann beim Saloon ein Feuer entzündet, wir sitzen alle im Kreis und Dave spielt Gitarre und singt alte Westernlieder. Maria und ihre Schwester Anna spielen Gitarre und Geige dazu. Als es dunkel geworden ist, gibt es noch ein kleines Feuerwerk anlässlich des Nationalfeiertages.

Dienstag, 5. Juli 2011

Jetzt wird die Zeit schon knapp, nur noch ein Ziel liegt vor uns – dieses heißt Yellowstone National Park! Wieder heißt es aufbrechen. Nur kurz führt der Weg über die Interstate, nach Helena dann auf den Hwy 287 über Townsend. Wir überqueren den Missouri River, dann über Willow Creek, Harrison, Norris, Hebgen Dam nach West Yellowstone. Der Weg war nicht allzu lange gewesen, wir treffen hier schon um 15 Uhr ein. West Yellowstone ist eine Stadt, die nur vom Tourismus lebt. Unzählige Souvenirläden und andere Geschäfte laden zum Einkaufen ein. Als wir eben vor der Buchhandlung sitzen und Kaffee trinken, zieht eine Gruppe vorbei, die Gitarre und Banjo spielt. Sie machen Werbung für ein Theater – wir beschließen, uns die Aufführung anzusehen. Sie heißt „Monty Python meets the Old West“ und ist ganz unterhaltsam. Danach gehen wir noch in den Supermarkt, um uns für das morgige Picknick zu versorgen.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Der Yellowstone National Park ist riesig und es fällt schwer, zu entscheiden, wo wir mit der Besichtigung beginnen sollen. Die gesamte Literatur aus dem Internet und auch der Reiseführer sind keine gute Entscheidungshilfe. Also entschließe ich mich für die Upper Loop. Wir fahren zunächst die 14 Meilen entlang des wunderschönen Madison River zur Madison Junction. Kurz nach dem Parkeintritt passieren wir die Grenze zu Wyoming. Nach der Madison Junction dann Richtung Norris, vorbei an den Gibbon Falls (direkt an der Straße) zum Norris Geyser Basin. Auf dem Weg dorthin erblicken wir links der Straße auf einer riesigen Grünfläche die ersten Bisons. Es folgt der Beryl Spring, der sehr schön blau schimmert und große Dampfwolken ausstößt und der Steamboat Geyser. Im Norris Geysir Basin folgen wir dann einem Trail, der uns zu verschiedenen Geysiren und heißen Quellen führt: Echinus Geyser, Crater Spring, Arch Steam Vent, Mystic Spring, Puff 'n Stuff Geyser, Black Hermit Caldron, Green Dragon Spring, Blue Mud Steam Vent, Yellow Funnel Spring, Pearl Geyser, Fearless Geyser und Monarch Geyser Crater. Dem Trail durch den Porcelain Basin können wir aus zeitlichen Gründen dann nicht mehr folgen, obwohl das Gebiet wunderschön in allen Farben verlockend erstrahlt. Wir folgen der upper loop nach Mammoth Hot Springs mit den färbigen Sinterterrassen. Auch hier eine mehr als eindrucksvolle Szenerie. Es ist Zeit, ins Hotel zu fahren. Auf der Rückfahrt geraten wir in einen Stau, dessen Ursache uns bis zu letzt unklar bleibt, wahrscheinlich waren es Tiere auf der Fahrbahn. Der Stau ist immens lang und wir verlieren mehr als eine Stunde. Auf der Strecke von Madison Richtung West Yellowstone kommt dann plötzlich vor unserem Auto eine ganze Bisonherde auf die Fahrbahn getrabt.

7. Juli 2011:

Bevor wir in den Park einfahren, stoppen wir beim Supermarkt. Dort lesen wir die Überschrift in einer Zeitung: Yellowstone Hiker killed by Grizzly. Nach 25 Jahren gab es wieder ein Todesopfer im Park durch einen Bären. Es war eine Bärin mit zwei Jungen, die zwei Wanderer überraschte. Welch trauriges Schicksal für den Wanderer! Auf Mitte des Weges zur Madison Junction sehen wir plötzlich einen Bären, der die Fahrbahn überquert. Wir fahren weiter bis Norris, unterwegs sehen wir zwei Hirsche an einem Flussufer liegen. Bei Norris dann Richtung Canyon Village. Der Grand Canyon of Yellowstone ist mehr als grandios. Die Farben des Gesteins sind noch schöner als im Grand Canyon in Arizona. Die Lower Falls sind wahrhaft eindrucksvoll. Mehr als 90 Meter schießt das Wasser des Yellowstone River in die Tiefe. Es gibt verschiedene Beobachtungspunkte entlang des Canyons, die wir aufsuchen. Dann geht es weiter zum Yellowstone Lake. Der See ist riesig, er liegt auf 2357 m Seehöhe, die tiefste Stelle mißt 131 m. Wir sitzen noch eine Zeit lang am Ufer, bevor wir die Heimfahrt beginnen. Der Weg geht wieder zurück durch das Hayden Valley, über Canyon Village und Norris zur Madison Junction. Am Abend besuchen wir das Imax-Kino, es wird ein Film über den Yellowstone National Park gezeigt.

8. Juli 2011:

Jetzt haben wir nur noch zwei Tage in Amerika. Wir werden es nicht schaffen, alles im Yellowstone Park zu sehen, er ist zu groß und zu vieles gibt es hier zu sehen. Man müsste einen 14tägigen Urlaub hier verbringen, um sich halbwegs einen Überblick zu verschaffen. Unser heutiges Ziel heißt Old Faithful. Auf dem Weg dahin folgen wir dem Firehole Canyon Drive (schöner Wasserfall) und dem Fountain Flat Drive (grüne Wiesen, dazwischen eingebettet der Creek) Das Lower und Midway Geyser Basin lassen wir links liegen und fahren direkt in das Upper Geyser Basin. Dort erkundigen wir uns, wann der nächste Ausbruch des Old Faithful stattfinden werde. Und dann sitzen wir mit Hunderten Anderen und warten auf die heiße Fontäne, die regelmässig ca. alle 90 Minuten in die Luft geschleudert wird. Angeblich sind es 32.000 Liter Wasser, die bei jedem Ausbruch austreten. Ein toller Anblick! Später folgen wir einem Trail, der bis zum Morning Glory Pool führen wird. In der Ferne kündet sich ein Gewitter an. Auf dem Weg zum Morning Glory passieren wir verschiedene „pools“, die alle sehr interessant sind. (Blue Star Spring, Anemone Geyser, Plume Geyser, Depression Geyser, Goggles Spring, Liberty Spring, Tardy Geyser, Spadsmodic Geyser, Wave Spring, Beauty Pool, Chromatic Pool, Giant Geyser, Grotto Geyser, Spa Geyser) Der Morning Glory ist allerdings besonders schön – wie muss er aber ausgesehen haben, bevor sein Mikrokosmos durch die Verschmutzung von Touristen gestört wurde? Beim Rückweg, eben als wir wieder in Sichtweite des Old Faithful Inns kommen, beginnt es zu regnen. Als wir schon längst trocken unter dem Dach eines Stores sind, hagelt es und binnen kurzem ist die ganze Gegend weiß. Dazwischen raucht es von den verschiedenen Geysiren. Tolle Szene! Zurück zum Auto, wir haben noch ein Ziel vor uns: das Rodeo in Park Island. Und dann sitzen wir mit den anderen Besuchern auf der Tribüne und können nicht so wirklich glauben, was um uns vorgeht. Vom Kleinkind bis zum Greis haben hier alle ihren Spaß und jubeln über die Akteure. Wilde Pferde, die ihre Reiter binnen Sekunden abwerfen, ebensolche Bullen, dazwischen werden Kälber mit dem Lasso gefangen, Clowns treten auf, eine Dreijährige reitet zielsicher um die Fässer und die Kinder des Publikums werden auch einbezogen. Es ist sehr kalt geworden, ich friere erbärmlich und bin sehr froh, als das Ganze dann um ca. 21.20 Uhr zu Ende ist. Es war ohnehin nicht so ganz nach meinem Geschmack..

9. Juli 2011

Heute müssen wir uns vom Yellowstone verabschieden, auch wenn der Weg zunächst wieder durch den Park führt. Wir fahren über Madison Junction und Old Faithful nach West Thumb, von da Richtung Süden zum Südeingang des Parks. Dann passieren wir den Eingang des Grand Teton Nationalparks. Die mächtige, schneebedeckte Gebirgskette der Tetons begleitet uns lange. Wir picknicken an einem wunderschönen Platz mit unzähligen bunten Blumen, vor uns die schneebedeckten Berge, der Platz trägt den Namen Arizona Island. Dann geht die Fahrt weiter in die Westernstadt Jackson, wo wir um ca. 16 Uhr eintreffen. Wir schlendern durch die Straßen, geniessen noch einmal das Westernflair, machen die letzten Einkäufe und essen dann hervorragend in einem Steakhouse. Um 18.30 Uhr müssen wir weiter, wir fahren über einen ziemlich steilen Pass und überqueren dann die Grenze zu Idaho. Schließlich treffen wir beim Hotel in Idaho Falls ein und müssen das Chaos, das im Auto herrscht, in unser Zimmer transportieren. Zum Packen sind wir zu müde.

10. Juli 2011

Wir schaffen das Unmögliche und verfrachten alles in unser Gepäck. Um 11 Uhr machen wir uns auf dem Weg zum Flughafen, der nur 4 Minuten entfernt ist. Dort geben wir das Auto zurück und begeben uns zum Check-In. In Denver landen wir dann wegen eines Gewitters verspätet, was zum Glück kein Problem darstellt, denn auch die Lufthansa-Maschine kann wegen des Gewitters erst später abfliegen. Am nächsten Morgen sind wir in Frankfurt und bald darauf in Wien.